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Katharina

Katharina Kundenservice-Spezialistin

Kundenservice-Spezialistin bei Farmula mit Fokus auf verständliche Fachartikel für moderne Tierhaltung.

Mit der Hitze steigen auch die Zellzahlen

Hitze ist aus 2 Gründen ein Risiko für Milchviehbetriebe. Zum einen belasten hohe Temperaturen den Stoffwechsel der Kühe, die so anfälliger werden. Zum anderen vermehren sich Bakterien schneller, wenn Wärme, Feuchtigkeit und Nährboden zusammenkommen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Folgen für Kuh und Kalb und den Zusammenhang mit steigenden Zellzahlen.

Ab wann wird Hitze zum Stress?

Die ideale Temperatur für eine Milchkuh liegt zwischen -5 °C und 18 °C. Steigt die Temperatur über 21 °C, leidet eine Kuh bereits unter Hitzestress. Da Kühe nur begrenzt Schweißdrüsen haben, kompensieren sie die fehlende Regulation durch Hecheln bzw. Hyperventilieren. Die Kühlung tritt dann durch die Verdunstung der feuchten Atemluft ein. Durch diesen Mechanismus verliert die Kuh allerdings wichtige Salze, u.a. Natriumbicarbonat. Dieses wiederum wird für die Stabilisierung des Pansen-pH-Wertes gebraucht und schützt die Kuh vor einer Azidose. Ein übermäßiger Verlust belastet also den Stoffwechsel und kostet Energie, die an anderer Stelle fehlt.

Symptome Hitzestress bei Kühen

  • Weniger Futteraufnahme (bis zu 22%)
  • Hyperventilieren
  • Verkürzte Trächtigkeit: -4 Tage
  • Rückgang der Milchleistung
  • Geschwächte Immunabwehr1
  • Steigende Zellzahlen
  • Geringeres Geburtsgewicht der Kälber
  • Weniger Kolostrum
  • Schlechtere Kolostrumqualität (-20% IgG)2
  • Schlechtere Fruchtbarkeit
  • Mehr Klauenerkrankungen

Wichtig: Hitzestress in der Trockenstehperiode wirkt sich negativ auf die Milchleistung während der gesamten Laktation aus. In Florida konnte gezeigt werden, dass Hitzestress in den Wochen vor der Geburt in einem Milchrückgang von 5 kg/Tag resultiert3.

Hitzestress Folgen für Kälber

Auch die neugeborenen Kälber leiden unter den Folgen des Hitzestresses im geburtsnahen Zeitraum. Zum einen ist das geringere Geburtsgewicht ein erheblicher Nachteil. Zum anderen absorbieren Sie weniger Antikörper aus dem Kolostrum, selbst wenn dieses eine sehr gute Qualität hat. Daraus folgt eine schlechtere Grundimmunisierung, die sich negativ auf die Zunahmen und die Gesundheit der Kälber in den ersten Wochen auswirkt. Hinzu kommt, dass Hitze im Abkalbezeitraum auch die hygienische Qualität des Kolostrums beeinträchtigt. Erstens vermehren sich Bakterien schneller wegen der hohen Temperaturen und zweitens haben sie mehr Zeit zum Vermehren/Wachsen. Das liegt daran, dass Hitzeperioden häufig mit Arbeitsspitzen (Ernte, etc.) zusammenfallen, sodass für ein schnelles, optimales Kolostrummanagement nicht immer genug Zeit bleibt.

Warum krankheitsanfälliger bei Hitze?

Steigende Zellzahlen bei Hitze hängen nicht nur mit der Hygiene bzw. den besseren Wachstumsbedingungen für Keime zusammen. Hinzu kommt die geschwächte Immunabwehr der Tiere. Die Forschung zeigt, dass Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Körper weniger aktiv sind, wenn ein Tier Hitzestress erfährt4. Die natürlichen Abwehrkräfte sind beeinträchtigt und Bakterien haben ein leichtes Spiel. Ist eine Kuh bereits vor der Hitzeperiode subklinisch infiziert, steigt die Zellzahl bei (Hitze-)Stress sogar noch schneller an.

Kosten einer Mastitis

Natürlich schwanken die Kosten von Euterentzündungen stark zwischen den Betrieben. Man geht davon aus, dass 71% der Landwirte die Kosten einer Mastitis unterschätzen5. Wenn Sie sich ein genaueres Bild machen wollen, probieren Sie doch mal den Mastitiskalkulator aus: Mastitiskalkulator  

  • Milchminderung
  • Abgänge
  • Sperrmilch
  • Tierarzt/Medizin
  • Arbeit

In den Daten aus 2017 ging man von 142 € pro Bestandskuh bzw. 473 € für jeden klinischen Fall aus5. Das sind starke Gründe, um den Hitzestress zu reduzieren und so die Kuhgesundheit zu fördern.

Gegenmaßnahmen: Gute Kühlung, Isolierung & Belüftung6

  • Ausreichend Zugang zu Wasser
  • Hygiene bei den Liegeplätzen und Laufwege
  • Frische, trockene Einstreu
  • Beschattung im Stall oder der Weide
  • Verschiebung der Weidezeiten
  • Belüftung durch Ventilatoren
  • Vernebelungsanlagen/Kuhduschen
  • Dachfläche dämmen oder besprühen
  • Auch im Wartebereich!

Tipps für die Fütterung

  • Mehrmals täglich füttern -> bessere Qualität
  • Eher weniger Kraftfutter für bessere Pansenfunktion
  • Zufügen von Bicarbonat für das Salzgleichgewicht

Vorgeschlagene Produkte

Wenn Sie die Immunabwehr Ihrer Kühe in Hitzeperioden zusätzlich unterstützen wollen, kommen die folgenden Produkte für sie in Frage.

Quellen

1do Amaral, B. C., Connor, E. E., Tao, S., Hayen, M. J., Bubolz, J. W., Dahl, G. E. (2011). Heat stress abatement during the dry period influences metabolic gene expression and improves immune status in the transition period of dairy cows. Journal of Dairy Science, 94 (1), S. 86-96.

2Nagorske, M. “The Colostrum Counsel – How can heat stress during late-gestation affect our calves and colostrum quality?”.  The Colostrum Counsel – How can heat stress during late-gestation affect our calves and colostrum quality? – SCCL Site

3Tao S, J.W. Bubolz, B.C. do Amaral, I.M. Thompson, M.J. Hayen, S.E. Johnson, G.E. Dahl. 2011. Effect of heat stress during the dry period on mammary gland development. J Dairy Sci. 94(12):5976-5986. https://doi.org/10.3168/jds.2011-4329 

4Holsteg, M. „Mastitis im Sommer: Bei Hitze steigt das Risiko“. Milchpraxis 3/2022.

5Krieger, M. „Tiergesundheit auf ökologischen Milchviehbetrieben“. Öko-Feldtage 2017.

6Steinwidder, A. und Gasteiner, J. „8 Tipps gegen Hitzestress bei Milchkühen“. LANDWIRT Bio 4 / 2017