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Isca Bosch

Isca Bosch Marketing- und Content-Spezialistin

Arbeitet als Marketing- & Content-Creator und entwickelt Wissensdatenbank-Inhalte sowie Marketingmaterialien, die Fachinformationen in praxisnahe Erkenntnisse übersetzen.

Warum steht meine Kuh nicht auf?

Festliegen liegt nicht immer am Calcium 

Normalerweise stehen Kühe nach einer Liegezeit zwischen 50 und 100 Minuten von alleine auf, strecken sich und nehmen danach ggf. eine neue Liegeposition ein. Ist dies nicht der Fall, sollte man wachsam sein, um bei pathologischen Ursachen rechtzeitig reagieren zu können.  

Bei festliegenden Kühen nach der Kalbung ist ein Calciummangel erstmal die naheliegendste Ursache. Wenn das Tier trotz entsprechender Behandlung nicht wieder aufsteht, kommt es auf eine gute Differentialdiagnostik an. Neben anderen metabolischen Ursachen, können auch Entzündungen, neurologische Probleme und/oder muskuläre Traumata das Festliegen auslösen1. Üblicherweise spricht man nach 24 Stunden vom sekundären Festliegen bzw. dem Downer-Cow-Syndrom. Eine sorgfältige Untersuchung durch den Tierarzt ist spätestens jetzt entscheidend, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.  

Metabolische Ursachen 

  • Hypokalzämie bzw Milchfieber   
  • Hypomagnesiämie bzw Gras-Tetanie   
  • Ernährungsbedingte Azidose     
  • Ketose bzw Acetonämie   
  • Hypokaliämie     
  • Fettige Lebererkrankung 

Phosphormangel und das Festliegen 

Ein Abfall des Phosphorgehaltes nach der Kalbung ist zunächst einmal völlig normal. Die negative Phosphorbilanz bahnt sich bereits in der Trächtigkeit an und spitzt sich zu Beginn der Laktation zu2,3. Laut dieser Studien liegen die Phosphor-Verluste zwischen -4 und -14 g pro Tag. Dies kann vor allem auf die folgenden Faktoren zurückgeführt werden:  

  • Bedarf des wachsenden Kalbes
  • Rückgang der Futteraufnahme   
  • Verlust über Milchproduktion (bis zu 1 g P pro Liter Milch) 
  • Verstärkung bei metabolischer Azidose 

Mildere Formen des Phosphormangels zeigen sich eher unspezifisch. Das konsistenteste Symptom ist wohl die Appetitlosigkeit bzw. verringerte Futteraufnahme4. Der ursächliche Zusammenhang hierfür ist noch nicht abschließend geklärt. Bei Wiederkäuern wird vermutet, dass es mit der eingeschränkten Pansenfermentation zusammenhängt4 

Dass solche milderen Formen üblich sind, konnte auch eine Studie mit 7000 Milchkühen zeigen. Bei 71%, 21% und 10% der gesunden frischgekalbten Kühe der ersten, dritten und fünften Laktation konnte ein Phosphormangel (Hypophosphatämie, [Pi] < 3.9 mg/ dL) festgestellt werden4. Auch wenn diese Tiere keine Krankheitssymptome zeigten, verdeutlichen die Ergebnisse ein schlummerndes Risiko 

In Fällen, wo die Calciumbehandlung beim Festliegen mehrfach nicht oder nur kaum anschlägt, wird deshalb häufig noch ein begleitender Phosphormangel bei der Blutuntersuchung festgestellt. Beim atypischen Festliegen kommt diese parallele Mangellage deutlich häufiger vor als ein reiner Phosphormangel. Dieser verstärkende Effekt des Phosphormangels auf das Festliegen erklärt sich auch durch seine Funktion als Energielieferant bei der Muskelkontraktion. Um das Risiko einer ausgeprägten Mangellage zu verringern, kann über die Gabe eines Phosphorbolus nachgedacht werden. Dieser ermöglicht eine gezielte Einzeltierversorgung bei gesicherter Aufnahme.  

Festliegen wegen Magnesium: Ein Notfall 

Auch ein akuter Magnesiummangel kann zu plötzlichem Festliegen führen, allerdings muss hier sehr schnell mit einer Infusion reagiert werden. Tatsächlich kommt dieser Fall vorallem bei Weidehaltung im Frühjahr vor, die sogenannte Weidetetanie. Durch das schnelle Wachstum und häufig auch begünstigt durch Kaliumdüngung ist der Magnesiumgehalt im Gras sehr gering. Hinzu kommt, dass der hohe Eiweißgehalt im jungen Gras das Risiko für Durchfall erhöht, wodurch noch mehr Magnesium verloren geht. Deswegen treten die meisten Fälle von Magnesiummangel bei der Kuh auch innerhalb der ersten zwei Monate nach Weidegang auf. In vielen Fällen verläuft ein Magnesiummangel aber subakut. Um mehr zu erfahren, lesen Sie gerne hier weiter.  

Risiko: Fettlebersyndrom 

Das Festliegen kann außerdem das Symptom einer fortgeschrittenen Störung des Energiestoffwechsels sein. Dieses tritt allerdings nicht unmittelbar nach der Kalbung ein, sondern kündigt sich u.a. durch Fressverweigerung, einen raschen Verlust an Körpersubstanz und zunehmende Teilnahmslosigkeit („Leberkoma“) an. Die Therapiemöglichkeiten (Glukose-Dauertropf mit Insulin) sind hier begrenzt bzw. häufig nicht mehr erfolgreich.5 Vielmehr sollte auf Prävention im Trockenstehermanagement geachtet werden.  

Neurologische Ursachen  

Auch Nervenlähmungen in den Gliedmaßen (z.B. Tibialislähmung) führen immer wieder zum sekundären Festliegen. Diese können aufgrund der längeren Druckausübung auf die Muskulatur während des primären Festliegens nach der Kalbung entstehen.6 Solche Lähmungen (Neuropathien) werden auch durch suboptimale Untergründe begünstigt (Kurzstände mit Gitterrosten, Höhenunterschiede).7 Hinzu kommt, dass der Umtrieb der Kühe im Abkalbezeitraum durch die gelockerten Bänder im Beckenbereich Risiken für die Trittsicherheit birgt. So ist ein Ausrutschen/-grätschen und somit eine Überdehnung wahrscheinlicher.7  

Downer Kühe unterstützen  

Ob es mit der Genesung klappt, hängt maßgeblich von der Lagerung und Pflege ab. Ist die Versorgung optimal können Heilungsraten von 43 % erreicht werden.9 Eine seitliche Liegeposition muss sofort korrigiert werden, um Erbrechen und Einatmen von Mageninhalt zu vermeiden. Die Kuh sollte in eine Bauchlage gedreht werden, wobei die Gliedmaßen, auf denen das Tier zuvor gelegen hat, nun frei sein sollten. Mit anderen Worten: Wenn das Tier in seitlicher Rückenlage auf der linken Seite lag, sollte es in die Bauchlage auf der rechten Seite gedreht werden. Einige Kühe müssen für die Bauchlage gestützt werden (z.B. durch Strohballen).8 

Grundsätzlich sollte während des Festliegens auf die folgenden Punkte geachtet werden8 

  • Jederzeit sauberes Wasser
    – Ggf. drenchen oder parenterale Versorgung mit Flüssigkeit 
  • Flache Futterschale aus Gummi 
  • Alle 3 Stunden Kuh wenden, um Durchblutung sicherzustellen
    Gefahr von neuromuskulärem Kompartmentsyndrom durch Druck auf Hintergliedmaßen 
  • Körpertemperatur stabilisieren:
    – Schutz vor Regen und Wind
    – Stroheinstreu     
  • Zum Fressen animieren
    – Heu, schmackhafte Ergänzer
    – Alle 30 Minuten entfernen
    Kontakt zu bitterem Efeu oder Löwenzahn regt Speichelfluss und idealerweise auch Futteraufnahme an
  • Fußfesseln erleichtern das sichere Aufstehen
    – Auch nach Genesung für 24-48 h 

Anheben: Worauf Sie achten sollten 

Idealerweise sollten festliegende Kühe mindestens vier Mal am Tag für jeweils max. 30 Minuten angehoben werden. Dies sollte spätestens nach 24 Stunden das erste Mal erfolgt sein, weil ansonsten das Risiko für druckbedingte Folgeverletzungen steigt.Beim Anheben sollte die Höhe so gewählt werden, dass die Tiere ihr Gewicht selbst tragen können. Sie sollten nicht hängen gelassen werden.  

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht zu verschiedenen Systemen bzw. Hilfsmitteln, die beim Aufrichten der Kuh eingesetzt werden können. Es kann durchaus sein, dass Ihre Tierarzt Praxis bestimmte Vorrichtungen zum Ausleihen zur Verfügung stellt.  

>> tabelle 1: Folgende Systeme zum Aufrichten festliefender Kühe9 

Erfolgsaussichten 

Wenn die Ursache behebbar ist, stehen die Kühe in der Regel innerhalb von 7 Tagen wieder von selbst auf. In Ausnahmefällen kann es sogar nach 3 Wochen noch zu einer Genesung kommen, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit hierfür von Tag zu Tag. Um das Wohlbefinden der Kuh und den allgemeinen Genesungsprozess zu verbessern, können natürliche und immunstimulierende Inhaltsstoffe wie im Topro Pain Care Bolus helfen.  

Call to action  

Wenn Sie Probleme bei der Calcium-, Phosphor- oder Magnesiumversorgung Ihrer Kühe vermuten, können wir Ihnen wahrscheinlich mit unseren Produkten weiterhelfen.   

 

Quellen 

Moocall. “Downer-Cow-Syndrom – Ursachen, Symptome und Behandlung“. https://www.moocall.com/de/downer-cow-syndrome/  

2Elizondo Salazar, J.A., J.D. Ferguson, D.B. Beegle, D.W. Remsburg and Z. Wu. 2013. “Body phosphorus mobilization and deposition during lactation in dairy cows”. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 97:502-514. 

3Knowlton, K.F. and J.H. Herbein 2002. “Phosphorus partitioning during early lactation in dairy cows fed diets varying in phosphorus content”. Journal of Dairy Science 85: 1227-1236. 

4Wright, Chris. “Phosphorus balance disorders in dairy cows”. The Cattle Site. https://www.thecattlesite.com/articles/phosphorus-balance-disorders-in-dairy-cows29.April 2024 

5Klee, W. „Lipohypermobilisationssyndrom“. Hrsg. Klinik für Wiederkäuer, Ludwig-Maximilians-Universität München. https://www.rinderskript.net/skripten/b9-3.html 31.10.2016 

6Wagner, A. „Nervenlähmungen beim Rind – was tun?“ bpt congress München. Web 21.10.2015.  

Kaiser, A., Kaiser, M., Brehm, W., Spilke, J., Dettmann, S., und Starke, A. „Vorkommen, Vorbericht und klinisches Bild der Neuropathie des Nervus tibialis bei Deutsch-Holstein-Kühen. Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2021; 49: 79–90.  

8The Cattle Site. “The Downer Cow”. https://www.thecattlesite.com/diseaseinfo/246/the-downer-cow . 29. September 2022 

9Praxis am Sandkamp. „Tipp des Monats: Länger festliegende Kühe“.  

 

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