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Katharina

Katharina Kundenservice-Spezialistin

Kundenservice-Spezialistin bei Farmula mit Fokus auf verständliche Fachartikel für moderne Tierhaltung.

Ketoprofen bei steigenden Zellzahlen

Bei steigenden Zellzahlen empfehlen viele Tierärzte den Einsatz von Ketoprofen. Einmal täglich für 3-5 Tage wird es eingesetzt, um Entzündungsreaktionen zu hemmen und somit einer antibiotischen Behandlung vorzubeugen. Hier erfahren Sie, wie Ketoprofen wirkt und bei welchen Erregern einer Euterentzündung es am vielversprechendsten ist.

Euterentzündung: Früh reagieren ist entscheidend!

Die finanziellen Auswirkungen einer Euterentzündung sind enorm. Zum einen bedeutet ein Zellzahlanstieg auf 250.000/ml bereits eine Reduktion der Milchleistung um 1,6 kg am Tag1. Bereits eine durchschnittliche Zellzahl von 220.000/ml reduziert die Milchleistung um über 4%1. Bei einer Leistung von 10.000 Litern und 100 Kühen entspricht das grob einem Verlust von 40,000 Litern Milch. Zum anderen verändert sich die Milchzusammensetzung bei steigenden Zellzahlen nachteilig. Und schließlich kommen noch die Kosten für Behandlungen hinzu. Klinische Mastitiden kehren häufig zurück, insbesondere wenn keine bakterielle Heilung eintritt. Deshalb überrascht es kaum, dass die Rückfälle einen negativen Einfluss auf die Lebensleistung haben2. Deshalb kommt es darauf an früh zu reagieren.

Was ist Ketoprofen?

Ketoprofen ist ein nichtsteroidaler Entzündungshemmer. Durch die Hemmung der Enzyme Cox-1 und Cox-2 wird weniger Prostaglandin produziert. Dadurch werden Entzündungsprozesse gelindert. Von der Wirkung ist das vergleichbar mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Aspirin. Sie reduzieren Entzündungen (antiinflammatorisch), Schmerzen (analgetisch) und Fieber (antipyretisch).

Im Gegensatz zu Antibiotika hat Ketoprofen keine Wartezeit in der Milch und erfreut sich deshalb wachsender Beliebtheit bei einer beginnenden Euterentzündung. Dies ist auch im Vergleich zu anderen zugelassenen Wirkstoffen ein großer Vorteil (vgl. Tabelle 1). Aufgrund seiner Wirkweise kann es allerdings in seltenen Fällen zu Magenulzera oder Nierenschäden3 kommen. Insbesondere bei dehydrierten Kühen sollte Ketoprofen nicht angewendet werden, um eine Nierentoxizität zu vermeiden4.

Tabelle 1: Übersicht zugelassener nicht-steroidaler Entzündungshemmer und ihre Wartezeiten bei Rindern5

Wartezeiten nach Wirkstoff
WirkstoffFleischMilch
Metamizol12 Tage4 Tage
Flunixin4 – 10 Tage24–36 Stunden
Meloxicam15 Tage5 Tage
Ketoprofen4 Tage, bei IV 4 Tage0 Tage
Carprofen21 Tage0 Tage
Tolfenaminsäure12 Tage, bei IV 4 Tage0 Tage, bei IV 1 Tag
*Die Tabelle ist ohne Gewähr und auf dem Stand vom 07.01.2026. Rechtliche Änderungen jederzeit möglich.
Für genaue Angaben fragen Sie Ihren Tierarzt oder Tierärztin.

Ketoprofen: Breites Einsatzfeld6

  • Unterstützende Behandlung bei Gebärparese
  • Senkung von Fieber und Verminderung von Unwohlsein bei bakteriellen Infektionen der Atemwege in Kombination mit einer geeigneten antibiotischen Therapie
  • Verbesserung der Genesungsrate bei akuter klinischer Mastitis einschließlich akuter Endotoxin Mastitis, verursacht durch gram-negative Erreger in Kombination mit einer geeigneten antibiotischen Therapie
  • Verminderung von Euterödemen im Zusammenhang mit Kalbungen
  • Verminderung von Schmerzen im Zusammenhang mit Lahmheit

Dosierung & Anwendung

Die Kosten schwanken regional stark. Da die Kosten pro 250 ml Flasche zwischen 30 und 100 € schwanken, liegen die Kosten für eine dreitägige Gabe à 25 ml bei 9 bis 30 € pro Kuh. Wichtig bei der intramuskulären Anwendung ist, dass je Injektionsstelle maximal 9 ml verabreicht werden dürfen4. Das heißt, dass eine Dosierung mehrere Gaben erfordert.

Ketoprofen: Daten aus Norddeutschland7

Zwischen November 2022 und 2023 wurde eine Untersuchung auf 3 konventionellen Milchviehbetrieben in Norddeutschland durchgeführt. Hier wurden die klinische Heilungsrate, die bakteriologische Heilungsrate, die Mastitis-Rückfälligkeit in einem Zeitraum von 60 Tagen und das Risiko für Neuinfektionen mit anderen Erregern unterersucht.

Nur Fälle von schwachen bis moderaten Mastitiden (n=222) wurden in den Versuch aufgenommen. Das heißt: Bei äußerlichen Veränderungen der Milch (Farbe, Viskosität, Konsistent) wurde das Auftreten als schwache Mastitis eingeordnet. Moderate Mastitiden zeigten zusätzliche Entzündungsanzeichen des Euterparenchyms (Schwellung, Hitze, Schmerzen, Rötung). Schließlich basierte die Einstufung als schwerer Verlauf auf weiteren Symptomen wie Fieber oder Appetitlosigkeit. Kühe, die nach Behandlungsbeginn eine schwere Mastitis entwickelten, wurden als Behandlungsmisserfolg eingeordnet.

 

Vergleich der Behandlungsergebnisse
Ketoprofen (KE)Antibiose
Klinische Heilung61,5%84,7%
Bakteriologische Heilung61,2%79,3%
Rückfall binnen 60 Tagen15,7%7,3%
Neuinfektionen6,7%6,8%

 

Die Daten zeigen, das eine Antibiose grundsätzliche bessere Heilungsraten erzielte. Allerdings benötigten 87% der erkrankten Tiere (n=90) der Ketoprofen Gruppe keine zusätzliche Antibiotikabehandlung, um am Tag 5 klinisch unauffällig zu sein.  Die starke Reduktion des Antibiotikaeinsatzes resultierte auch in 35,9% weniger Verlustmilch pro Kuh.

Euterentzündung: Auf den Erreger kommt es an

Eine wichtige Erkenntnis war, dass Ketoprofen vor allem erfolgsversprechend ist, wenn es sich bei der Euterentzündung um gram-negative Erreger handelt (z.B. E.coli ).7 In diesen Fällen ist die Selbstheilungschance wesentlich größer.8,9

Bei gram-positiven Erregern ist die Antibiose das Mittel der Wahl. Besonders Staphylococcus aureus verursacht allerdings in der Praxis Probleme bei der Behandlung aufgrund zunehmender Antibiotika-Resistenzen. Und laut Daten des IFM sind Infektionen mit Staphylococcus aureus am häufigsten10. Darüber hinaus wurde in einer Untersuchung mit 1000 Milchproben von Tieren mit klinische Symptomen festgestellt, dass 65% der Nachweise auf Strep. uberis, coliforme Bakterien, Staph. aureus, Strep. dysgalactiae sowie Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) entfielen1.

Erreger und Gram-Färbung
ErregerGram-Färbung
StaphylokokkenStaphylococcus aureusgram-positiv
KNS (koagulase-negative Staphylokokken)
StreptokokkenStreptococcus agalactiae
Streptococcus dysgalactiae
Streptococcus uberis
Enterokokken/ Fäkalstreptokokken
ColiformeE.coligram-negativ
Klebsiellen
Serratia marcescens*
nicht-coliforme EnterobacteriaceaeProteus spp.
AnderePseudomonaden
*nur langsame Laktose-Fermentation, daher auch Klassifizierung als nicht-coliformes
Quelle: Tiergesundheit und mehr (2025)

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Erregerbestimmung trotz klinischer Symptome einer Euterentzündung sehr häufig nicht erfolgreich ist1. Gründe hierfür sind:

  1. Erreger bereits abgestorben, Symptome werden durch Toxine verursacht
  2. Nicht alle Erreger werden kontinuierlich mit der Milch ausgeschieden
  3. Biofilm im Euter hält Bakterien zurück; dadurch unter Nachweisgrenze

Solche Mastitiden sind häufig chronisch und die Zellzahlen schwanken stark1.

Schnelltests helfen bei Therapieentscheidung

Ketoprofen kann also ein gutes Mittel im Mastitis-Management sein, besonders wenn eine Erregerbestimmung vorausgeht. Hierfür können Schnelltests auf den Betrieben eingesetzt werden, die zwischen gram-positiven und gram-negativen Erregern unterscheiden. Schnelltests für den bakteriologischen Nachweis brauchen je nach Wahl des Produktes 12-14 oder 24 Stunden, um ein Ergebnis zu zeigen. Sie können also bei einer Euterentzündung die Entscheidung für den Therapieansatz zügig unterstützen. Bei einer Untersuchung des LBZ Echem reduzierte der Einsatz eines solchen Schnelltests die nicht effektiven Antibiotika-Behandlungen deutlich11.

Für die Durchführung kommt es auf eine optimale Hygiene an:

  • Reinigung und Desinfektion der Zitzen
  • Saubere Einmalhandschuhe
  • Steriles Probenröhrchen

Im Fall einer akuten Mastitis, besonders wenn das Allgemeinbefinden der Kuh stark eingeschränkt ist, sollte das Ergebnis nicht erst abgewartet werden. Dann empfiehlt Prof. Krömker die Kombination eines Entzündungshemmers mit einer systemisch wirksamen Antibiose und zusätzlicher Flüssigkeitstherapie12. Halten Sie hierzu Rücksprache mit Ihrem Tierarzt.

Austherapiert, und nun?

Bei drei oder mehr Mastitisfällen in der laufenden Laktation oder bei einem Zellgehalt von über 700,000/ml in drei aufeinanderfolgenden Milchleistungsprüfungen gilt die Kuh als austherapiert. Eine Antibiose wird dann meistens nicht mehr eingesetzt. Bis auf Schmerzlinderung bleibt dann nur die Merzung.12

Natürliche Alternativen

Neben der medikamentösen Behandlung einer Euterentzündung können natürliche Entzündungshemmer die Genesung unterstützen. Ein großer Vorteil hierbei ist, dass sie auch keine Wartezeiten haben und den Stoffwechsel nicht belasten. Darüber hinaus sind sie nicht verschreibungspflichtig.

Besonders in der Phase nach dem Abkalben sind Kühe anfälliger für metabolische Krankheiten. Interessanterweise steht dies nicht nur im Zusammenhang mit der ansteigenden Milchleistung und negativen Energiebilanz. Weitere wichtige Phänomene, die die Widerstandsfähigkeit in der Übergangszeit reduzieren, sind13:

  • Entzündungsprozesse/Ausschüttung von entzündungstreibenden Cytokinen
  • Veränderungen der Immunkompetenz
  • Oxidativer Stress
  • Veränderungen des Mineralstoffwechsels

Vor diesem Hintergrund wurde bereits untersucht, ob die prophylaktische Gabe von Acetylsalicylsäure (aktiver Inhaltsstoff von Aspirin) nach der Kalbung positive Effekte hat14. Der Mechanismus basiert auf der Hemmung der Enzyme COX-1 und COX-2 vergleichbar mit Ketoprofen. Die Tiere der Versuchsgruppe erhielten an den erste 3 Tagen täglich 15 g Acetylsalicylsäure und in den folgenden 2 Tagen 7,5 g. Diese Behandlung hatte u.a. folgende Effekte:

  • Höhere Milchleistung: +5 kg für zwei Monate
  • Mehr Futteraufnahme/Fressaktivität
  • Höherer Erstbesamungserfolg (50% vs. 27%)
  • Besserer Immunstatus (mehr Zink, weniger Akute-Phase Proteine)

Da eine vorbeugende Gabe von Aspirin in der Praxis nicht zulässig ist, ist die Gabe einer natürlichen Salicylsäure aus Weidenrindenextrakt interessant. Dieses ist der Hauptmetabolit der chemischen Acetylsalicylsäure im Stoffwechsel und entsprechend wirksam. Wenn Sie sich für solche Ansätze interessieren, lesen Sie hier über unserer Produkt den Topro PainCare.

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Quellen nach Abschnitten

Euterentzündung: Früh reagieren ist entscheidend!

1Boehringer Ingelheim Vetmedica. „Mastitis schmerzt im Euter und im Tank“. Tiergesundheit und mehr 2 (2025).

2Bar, D., Y. T. Gröhn, G. Bennett, R. N. González, J. A. Hertl, H. F. Schulte, L. W. Tauer, F. L. Welcome, and Y. H. Schukken. 2008. Effects of repeated episodes of generic clinical mastitis on mortality and culling in dairy cows. J. Dairy Sci. 91:2196–2204. https: / / doi .org/ 10 .3168/ jds .2007 -0460.

Was ist Ketoprofen?

3Gkikas, George. „Die Nebenwirkungen von Ketosol 100 mg/ml“. https://biomedicus.gr/ketosol-100-mg-ml-nebenwirkungen/

4Vetoqinol. „Rifen 100 mg/ml“. Rifen 100 mg/ml | Vetoquinol GmbH

5Schmitt, Ruth. 2023. „Eignung von Akute Phase Proteinen zur Einschätzung der systemischen Entzündungsreaktion frischlaktierender Milchkühe und Effekte der Anwendung von Finadyne® Transdermal 24 bis 36 Stunden post partum auf Stoffwechsel- und Entzündungsmarker im Blut, klinische Parameter, die Milchleistung, das Abgangsrisiko und die Fruchtbarkeit in der Folgelaktation“. Deutsche Nationalbibliothe. Berlin: mbv Berlin, Mensch und Buch Verlag.

Ketoprofen: Breites Einsatzfeld

6 VetiSearch. “Kelaprofen“. https://vetisearch.de/spcs/4422-kelaprofen

Ketoprofen: Daten aus Norddeutschland

7Krömker, V., Falkenberg, U., Nitz, J., Gisbert,P, Wente, N. und Nankemann, F. “Ketoprofen as the sole initial treatment for nonsevere bovine mastitis: Efficacy and antibiotic reduction”. J. Dairy Sci. 108 (2025): 6273–6283.

Euterentzündung: Auf den Erreger kommt es an

8Roberson, J. R., L. D. Warnick, and G. Moore. 2004. Mild to moderate clinical mastitis: Efficacy of intramammary amoxicillin, frequent milk-out, a combined intramammary amoxicillin, and frequent milk out treatment versus no treatment. J. Dairy Sci. 87:583–592.

9Suojala, L., H. Simojoki, K. Mustonen, L. Kaartinen, and S. Pyörälä. 2010. Efficacy of enrofloxacin in the treatment of naturally occurring acute clinical Escherichia coli mastitis. J. Dairy Sci. 93:1960–1969.

10IFM. “Mas­ti­ti­ser­re­ger“.  https://milchuntersuchung.de/Mastitiserreger-2.html#section792

Schnelltests helfen bei Therapieentscheidung

11Koch, R. und tho Seeth, M. 2021. „Erfahrungsbericht: Praxiserprobung im LBZ Echem: Schnelltestbasiertes Therapiekonzept für Mastitis-Therapie“. LBZ Echem https://www.lbz-echem.de/?action=news&article=36479

12Lütke Holz, Katharina. „Was leistet der neue Mastitis-Schnelltest?“ top agrar 2 (2018).

Natürliche Alternativen

13Trevisi, E., Mezzetti, M., Cattaneo, L., Piccioli-Cappelli, F. und Minuti, A. „International Symposium on Ruminant Physiology: The immunometabolism of transition dairy cows from dry-off to early lactation—Lights and shadows”. J. Dairy Sci. 108:7662–7674.

14Bertoni G, Trevisi E, Piccioli-Cappelli F. “Effects of acetyl-salicylate used in post-calving of dairy cows”. Vet Res Commun. 28(1): 2004: 217-9. doi: 10.1023/b:verc.0000045410.86004.03. PMID: 15372961.

Ketoprofen bei steigenden Zellzahlen