Glossar

Mortellaro

Kurz erklärt

Ansteckende Hauterkrankung an der Klaue (Dermatitis digitalis), die Lahmheit verursacht.

Was ist Mortellaro?

Mortellaro ist eine ansteckende Hauterkrankung an den Klauen von Rindern. Der Fachbegriff lautet Dermatitis digitalis. Der Name Mortellaro geht auf den italienischen Tierarzt zurück, der sie 1974 beschrieb. Die Erkrankung sitzt meist an den Hinterbeinen, an der Haut zwischen den Ballen oder oberhalb des Zwischenklauenspalts.

Als Hauptverursacher gelten Bakterien der Gattung Treponema. Sie leben in Gülle und Schmutz und dringen in aufgeweichte, vorgeschädigte Haut ein. Mortellaro ist in vielen Milchviehherden verbreitet und eine der häufigsten Ursachen für Lahmheit.

Woran erkennen Sie Mortellaro?

Typisch ist eine runde, scharf begrenzte Stelle, die anfangs rot und erdbeerartig aussieht und leicht blutet. Die Stelle ist sehr berührungsempfindlich. Später kann sie mit einer Kruste oder warzenartigen Wucherungen bedeckt sein. Betroffene Kühe entlasten das Bein, trippeln oder stehen auf der Klauenspitze.

Für die Einteilung werden die M-Stadien verwendet:

  • M0: gesunde Haut
  • M1: kleine, frühe Stelle unter 2 cm
  • M2: akute, offene und schmerzhafte Stelle über 2 cm
  • M3: heilendes Stadium mit Kruste
  • M4: chronisches Stadium, oft mit Verdickung oder Wucherung
  • M4.1: chronische Stelle mit einem neuen, frischen Bereich

Chronische Stellen sind wichtig für die Verbreitung, weil die Erreger dort überdauern und immer wieder aktiv werden können.

Wie wird Mortellaro übertragen?

Die Erreger verbreiten sich über Gülle, nasse Laufflächen und Klauenpflegewerkzeug. Feuchte, verschmutzte Haut ist die Eintrittspforte. Neue Fälle kommen oft mit zugekauften Tieren in die Herde. Im Sommer, wenn Kühe im Stall bleiben, sind Klauenerkrankungen wie Mortellaro häufiger als bei Kühen mit Weidegang, weil die Klauen draußen besser abtrocknen. Mehr dazu in Hitzestress in Kombination mit Klauengesundheit.

Was tun bei Mortellaro?

Je früher eine Stelle erkannt wird, desto besser sind die Aussichten. Sprechen Sie die Behandlung mit Ihrem Tierarzt oder Klauenpfleger ab. Üblich ist, die Stelle zu reinigen, zu trocknen und örtlich zu versorgen. Betroffene Kühe sollten nach der Behandlung möglichst sauber und trocken stehen.

Vorbeugung im Betrieb

  • Saubere und trockene Laufgänge: häufiges Abschieben oder ein Schieber, der oft genug läuft.
  • Klauenbäder in regelmäßigen Abständen, mit ausreichend Länge und einer Lösung, die oft genug erneuert wird.
  • Regelmäßige funktionelle Klauenpflege, damit Stellen früh gefunden werden. Mehr dazu in Funktionelle Klauenpflege.
  • Werkzeug nach jeder Kuh reinigen und desinfizieren.
  • Zugekaufte Tiere vor dem Eingliedern auf Mortellaro kontrollieren.
  • Kontrolle im Melkstand: Mit einer Lampe und einem Wasserschlauch lassen sich die Hinterbeine schnell anschauen.

Eine gute Versorgung mit Zink, Biotin und Vitaminen hält Haut und Horn widerstandsfähig, ersetzt aber keine Hygiene. Wo Mortellaro einmal in der Herde ist, gelingt es selten, ihn ganz loszuwerden. Ziel ist, die Zahl der akuten Fälle niedrig zu halten.

Mortellaro und Leistung

Kühe mit akuten Stellen gehen seltener zum Futtertisch und zum Melkroboter. Sie fressen weniger, geben weniger Milch und nehmen schlechter auf. Weil die Schmerzen oft unterschätzt werden, lohnt die regelmäßige Kontrolle auch bei Kühen, die nur leicht lahm gehen.

Häufige Fragen

Ist Mortellaro ansteckend?

Ja. Die Erreger verbreiten sich über Gülle, nasse Laufflächen und Werkzeug und kommen oft mit zugekauften Tieren in die Herde.

Wie sieht Mortellaro aus?

Eine runde, rote, erdbeerartige Stelle meist zwischen den Ballen der Hinterklauen, die bei Berührung sehr schmerzt. Chronische Stellen sind verkrustet oder warzig.

Kann Mortellaro ganz verschwinden?

Eine einzelne Stelle kann abheilen. In der Herde gelingt die vollständige Tilgung selten. Ziel ist eine niedrige Zahl akuter Fälle durch Hygiene, Klauenbäder und Früherkennung.

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