Euterentzündung bei Kühen: erkennen, Ursachen und was Sie selbst tun können

Die Euterentzündung ist die teuerste Erkrankung auf einem Milchviehbetrieb. Ein klinischer Fall kostet schnell 300 bis 500 Euro durch Milchverlust, Behandlung, verworfene Milch und zusätzliche Arbeit. Einen großen Teil der Fälle sehen Sie nie: Die Kuh ist nicht krank, die Milch sieht normal aus, aber die Zellzahl steigt und das Euter produziert nicht optimal. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie eine Euterentzündung erkennen, welche Ursachen es gibt und was Sie selbst tun können, um die Kuh zu unterstützen. Auch ohne gleich zum Antibiotikum zu greifen.

Was ist eine Euterentzündung?

Eine Euterentzündung (Mastitis) ist eine Entzündung des Eutergewebes, fast immer ausgelöst durch Bakterien, die über den Strichkanal eindringen. Die häufigsten Erreger sind Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis und E. coli (Escherichia coli). Das Immunsystem der Kuh reagiert mit weißen Blutkörperchen in der Milch. Das ist die Zellzahl, die Sie im MLP-Bericht wiederfinden.

Es gibt zwei Formen:

  • Klinische Mastitis: Die Kuh oder die Milch zeigt sichtbare Veränderungen. Flocken oder Gerinnsel in der Milch, wässrige Milch, ein dickes, warmes oder schmerzhaftes Viertel. Bei einem schweren Verlauf hat die Kuh Fieber, frisst nicht und wirkt schlapp.
  • Subklinische Mastitis: An Milch und Euter ist nichts zu sehen. Nur die Zellzahl ist erhöht, oder der Melkroboter meldet eine steigende Leitfähigkeit. Diese Form kommt 15- bis 40-mal häufiger vor als die klinische und kostet pro Kuh und Laktation mehrere hundert Kilo Milch.

So erkennen Sie eine Euterentzündung früh

Je früher Sie eingreifen, desto größer ist die Chance, dass sich das Viertel vollständig erholt. Achten Sie auf:

  1. Vormelken. Flocken in den ersten Strahlen sind das erste Signal. Schauen Sie bei jedem Melken hin.
  2. Leitfähigkeit am Roboter. Ein Anstieg um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Kuh ist ein Grund zu handeln.
  3. Zellzahl in der MLP. Über 200.000 Zellen pro ml bei einer Kuh, die vorher unter 100.000 lag, deuten auf eine neue Infektion hin.
  4. Temperatur. Bei 39,1 bis 39,4 °C hat die Kuh erhöhte Temperatur. Das kann auf eine bakterielle Infektion im Euter hinweisen. Ab 39,5 °C hat die Kuh Fieber und Sie sollten schnell handeln.
  5. Viertel abtasten. Warm, hart oder schmerzhaft bei Berührung.
  6. Verhalten. Weniger Futteraufnahme, weniger Wiederkauen, die Kuh bleibt hinter der Gruppe zurück.

Ein Schalmtest (CMT, California Mastitis Test) zeigt Ihnen einfach und schnell innerhalb von zehn Sekunden, welches Viertel möglicherweise eine erhöhte Zellzahl hat.

Ursachen: Woher kommen die Bakterien?

Eine Euterentzündung entsteht meistens durch Bakterien, die in das Euter eindringen. Dabei unterscheidet man kuhassoziierte und umweltassoziierte Erreger. Beide können eine Euterentzündung auslösen, aber die Infektionsquelle und das Vorgehen unterscheiden sich.

Kuhassoziierte Erreger

Kuhassoziierte Erreger wie Staphylococcus aureus verbreiten sich vor allem beim Melken von Kuh zu Kuh. Eine infizierte Kuh ist dabei die wichtigste Infektionsquelle. Achten Sie deshalb auf:

  • Melkhygiene. Verschmutzte Zitzengummis, unzureichende Zitzendesinfektion und eine falsche Melkreihenfolge erhöhen das Risiko der Übertragung. Sorgen Sie für eine gute Melkroutine und melken Sie infizierte Kühe zuletzt.
  • Zitzenkondition. Raue oder verhornte Zitzenkuppen erhöhen das Infektionsrisiko. Über beschädigte Zitzenkuppen dringen Bakterien leichter in das Euter ein.
  • Melkanlage. Ein falsches Vakuum, eine schlechte Pulsation oder abgenutzte Zitzengummis können die Zitzen schädigen und das Infektionsrisiko erhöhen. Prüfen Sie regelmäßig, ob die Melkanlage richtig arbeitet.

Umweltassoziierte Erreger

Umweltassoziierte Erreger wie E. coli und Streptococcus uberis kommen vor allem in Mist, Einstreu und der direkten Umgebung der Kuh vor. Sie können über den Strichkanal in das Euter eindringen. Achten Sie deshalb auf:

  • Liegeboxen und Einstreu. Nasse, verschmutzte Liegeboxen erhöhen das Infektionsrisiko. Halten Sie die Liegeflächen sauber und trocken und erneuern Sie die Einstreu regelmäßig.
  • Trockenstehzeit. Rund um das Trockenstellen und die Abkalbung ist das Euter besonders anfällig. Schließt der Strichkanal nicht ausreichend, können Bakterien eindringen und manchmal erst in der folgenden Laktation Probleme machen.
  • Abwehrkraft. Kühe mit negativer Energiebilanz nach der Abkalbung, unter Hitzestress oder mit einem Mangel an Selen, Vitamin E oder Zink können eine geschwächte Abwehr haben. Dadurch sind sie anfälliger für Infektionen.

Lassen Sie bei wiederholten Problemen eine bakteriologische Untersuchung (BU) machen. Dann wissen Sie, ob es sich um einen kuhassoziierten oder einen Umwelterreger handelt und worauf Sie Ihr Vorgehen ausrichten.

Was können Sie selbst tun, um die Kuh zu unterstützen?

Bei einer leichten klinischen Mastitis oder einer steigenden Zellzahl ohne Krankheitsanzeichen haben Sie Spielraum, die Kuh zuerst zu unterstützen und ihre Reaktion abzuwarten. Was sich in der Praxis bewährt:

  • Häufiger ausmelken. Melken Sie das betroffene Viertel nach jedem Melken noch einmal aus. Jedes Mal entfernen Sie Bakterien und Entzündungsprodukte.
  • Kühlen und massieren. Eine Eutersalbe mit Pfefferminz kühlt das Gewebe, fördert die Durchblutung und erleichtert das Ausmelken. Zwei- bis dreimal täglich einmassieren.
  • Knoblauchbolus geben. Knoblauch enthält Schwefelverbindungen, die die Zellwand von Bakterien angreifen. Der Wirkstoff Allicin ist instabil und zerfällt nach dem Pressen einer Zehe innerhalb von Stunden. Deshalb wirkt ein Knoblauchbolus mit den stabilisierten Derivaten PTS und PTSO, die in Laboruntersuchungen gegen S. aureus, S. uberis und E. coli aktiv sind. Mehr dazu lesen Sie in Wie wirkt der Knoblauch-Bolus?
  • Trocken und sauber liegen. Misten Sie die Box der betroffenen Kuh zusätzlich aus. Ein Euter, das sich erholt, soll nicht in neuen Keimen liegen.
  • Zuletzt melken. Melken Sie Kühe mit erhöhter Zellzahl als letzte oder mit einem eigenen Melkzeug. So verhindern Sie die Übertragung auf gesunde Kühe.

In einem Feldversuch mit der Hochschule Van Hall Larenstein (2021, 12 Kühe auf 5 Betrieben mit Melkroboter) bekamen Kühe einen stabilisierten Knoblauchbolus, sobald der Roboter eine steigende Leitfähigkeit meldete. In den zwei Wochen danach sank die Leitfähigkeit im Mittel um 17 Prozent und die Milchleistung stieg um 12 Prozent. Die Zahl der Tiere war zu klein für statistische Signifikanz, aber die Richtung war auf allen Betrieben gleich. Den vollständigen Bericht lesen Sie hier: Leitfähigkeit mit Knoblauchbolus reduzieren.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen positive Ergebnisse. In einer Studie aus dem Jahr 2023 bekamen 16 Kühe mit subklinischer Euterentzündung einen Knoblauchbolus mit Allicin und einen Entzündungshemmer. Nach 14 Tagen hatten diese Kühe eine niedrigere Leitfähigkeit und eine höhere durchschnittliche Milchleistung als Kühe, die Antibiotika und einen Entzündungshemmer bekamen. In der Knoblauchgruppe sank auch die Zellzahl. Die Ergebnisse weisen auf die unterstützende Wirkung von Knoblauchextrakt für die Eutergesundheit hin. Zur Studie: Sensor-Generated Data for Evaluation of Subclinical Mastitis Treatment Effectiveness with Garlic Extract (Allicin) in Dairy Cattle (2023).

Vorbeugung beginnt bei der Routine

Die meisten Betriebe mit dauerhaft niedriger Zellzahl machen nichts Besonderes. Sie machen die gewöhnlichen Dinge jeden Tag gleich: saubere, trockene Euter beim Ansetzen, direkt nach der Abnahme dippen, Zitzengummis rechtzeitig wechseln, Boxen zweimal täglich säubern, jeden Monat den MLP-Bericht Kuh für Kuh durchgehen und beim ersten Anstieg handeln. Ein Knoblauchbolus passt in diese Routine als erster Schritt bei steigender Leitfähigkeit. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, zeigt unser Artikel Hohe Zellzahl senken ohne Antibiotika.

Häufige Fragen

Kann ich eine Euterentzündung ohne Antibiotika heilen?

Bei einer leichten oder subklinischen Form erholt sich ein Teil der Kühe mit häufigerem Ausmelken, Unterstützung und guter Hygiene. Bei Fieber, Krankheitsanzeichen oder bestimmten Erregern (S. aureus) ist eine Behandlung durch den Tierarzt nötig.

Wie schnell wirkt ein Knoblauchbolus?

Die Freisetzung beginnt direkt nach der Aufnahme im Pansen. Es gibt stabilisierte Knoblauchboli mit einer Freisetzung über 3 Tage und über 3 Wochen. Im Feldversuch sank die Leitfähigkeit ab dem Tag nach der Gabe.

Darf ich die Milch abliefern, wenn die Kuh einen Knoblauchbolus bekommen hat?

Ja. Der Bolus ist ein Ergänzungsfuttermittel, kein Arzneimittel. Es gibt keine Wartezeit. Durch die stabilisierten Stoffe kommt kein Knoblauchgeruch in die Milch. Warum ein selbst gemachter Bolus hier anders abschneidet, lesen Sie in Knoblauchbolus selber machen oder fertig kaufen?

Hilft ein Knoblauchbolus auch vorbeugend?

Die meisten Betriebe geben den Bolus bei einer messbaren Veränderung: Flocken, Leitfähigkeit oder Zellzahl. Rund um die Abkalbung oder bei eingeschränktem Wohlbefinden wird der Bolus ebenfalls zur Unterstützung gegeben.

Ist ein pralles Euter vor der Abkalbung eine Euterentzündung?

Meistens nicht. Ein gespanntes, kühles Euter ohne Flocken in der Milch ist eher ein Euterödem. Wie Sie beides unterscheiden, lesen Sie in Euterödem bei Kühen.

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