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Katharina

Katharina Kundenservice-Spezialistin

Kundenservice-Spezialistin bei Farmula mit Fokus auf verständliche Fachartikel für moderne Tierhaltung.

Ketose bei Kühen verstehen und vorbeugen

Nach der Kalbung ist die Ketose bei der Milchkuh eine der häufigsten Erkrankungen. In den ersten beiden Monaten nach der Kalbung leidet eine von 10 Kühen unter einer klinischen Ketose (Veeteelt, 2 Feb. 2012). Auch subklinische Verläufe, welche häufig unerkannt bleiben, sollten in Bezug auf den wirtschaftlichen Erfolg nicht unterschätzt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Kosten auf 250 bis 600 Euro pro Kuh und Laktation belaufen können. Ein enormer Kostenfaktor! Grund genug, die Ketose bei der Milchkuh gezielt anzugehen. Doch wie entsteht Ketose überhaupt? Und wie können Sie vorbeugen? Das Top Health Konzept von Farmula liefert Bausteine zur Unterstützung. Das Ziel: Gesündere Kühe und +2 Laktationen.

Ursachen für Ketose bei Kühen

Ketose entsteht durch eine negative Energiebilanz (NEB, siehe Abbildung 1). Zunächst schnellt der Energiebedarf für die Milchproduktion in die Höhe. Die langsamer ansteigende Futteraufnahme kann diesen dann zunächst nicht decken. Durch die zu geringe Trockenmasseaufnahme muss Körperfett verbrannt werden um Energie bereitzustellen. Die Kuh verliert an Gewicht. Auch Managementprobleme können das Ausmaß dieses Energiemangels beeinflussen. Eine Überkonditionierung während der Trockenstehperiode ist ein bedeutender Faktor. Ebenso erhöhen eine nicht bedarfsdeckende Rationsgestaltung oder eine Überbelegung das Risiko für eine übermäßige Fettverbrennung und somit für eine Ketose bei Kühen.

>> Abbildung 1: Negative Energiebilanz bei milchkuhen

Das entscheidende Organ für diese Fettmobilisation ist die Leber.  Oftmals wird diese hierbei überlastet, sodass sie nicht optimal arbeitet. Der unvollständige Fettabbau führt zur Bildung von Ketonkörpern z.B. beta-Hydroxybuttersäure (BHB). Wenn die Konzentration von Ketonkörpern ein bestimmtes Niveau übersteigt (BHB >1,2 mmol/liter), liegt eine Ketose bei Kühen vor. Der Körper ist in der Lage kleine Mengen an Ketonkörpern zu verarbeiten. Größere Mengen sammeln sich im Körper an und verursachen die typischen Symptome einer Ketose bei Rindern.

Symptome der Ketose bei Kühen

Grundsätzlich kann die Ketose bei Kühen subklinisch oder klinisch verlaufen. Trägheit, reduzierte Futteraufnahme und verminderte Milchproduktion werden eher der subklinischen Ketose zugeordnet. Aber auch eine erhöhte Anfälligkeit für eine Gebärmutterentzündung oder Labmagenverlagerung können symptomatisch sein. Solche Folgeerkrankungen können die Symptomatik durch eine weiter reduzierte Futteraufnahme verschlimmern: ein Teufelskreislauf, der auch zu einer reduzierten Fruchtbarkeit führen kann.

Ein rapider Gewichtsverlust in den ersten Wochen ist ein deutliches Anzeichen für eine klinische Ketose bei Kühen. Weitere sind stark reduzierte Milchleistung, Kotveränderungen und Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem. Darüber hinaus kann häufig auch ein säuerlicher Acetongeruch in der Atemluft oder in der Milch wahrgenommen werden. Begünstigt werden solche Verläufe durch verfettete Kühe.  Bei ihnen kommt es zu einer übermäßigen Fettmobilisation, welche die Leber nicht kompensieren kann. Die Folge ist die sogenannte Fettleber, die nur zu Beginn reversibel ist und häufig tödlich verläuft.

 

>> Abbildung 2: Auswirkungen von Ketose bei Kühen

Ketose bei Kühen: Behandlung und Prophylaxe

Effiziente Energiebereitstellung ist der Schlüssel in der Prophylaxe und Behandlung von Ketose bei Kühen. Um Ketose vorzubeugen, sollte deshalb bereits der Frühtrockenstehperiode genug Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es gilt eine Überfütterung und folglich eine Verfettung zu vermeiden. Der Rohfaseranteil in der Ration muss dafür hoch genug sein und tatsächlich aufgenommen werden. Es kann vorkommen, dass das Stroh zu lang oder die Durchmischung nicht ausgeglichen ist. Das Tier kann dann selektieren, was automatisch zu einer Überversorgung führt.

Checkliste Frühtrockensteher-Management (Far-Off)

  • Schnittlänge Stroh beachten
  • Strohmenge an Energiegehalt der Grundration anpassen
  • Gute Durchmischung sicherstellen
  • Kontrolle auf Selektion am Futtertisch
  • Beurteilung der Körperkondition (BCS):
  • BCS Zielwert 3 Wochen vor der Kalbung: 3-3.5
  • 80% Belegungsdichte

Ebenso wichtig ist die Close-up Phase vor dem Kalben: Die Tiere sollten möglichst ab 3 Wochen vor der Kalbung in einer eigenen Gruppe gefüttert werden. Eine Close-up Fütterung für weniger als 2 Wochen führt zu mehr gesundheitlichen Problemen und geringerer Milchleistung (Milchpraxis 3/2024, 19-23). Außerdem muss der Energiebedarf angepasst werden. Insbesondere in den Tagen vor der Geburt geht die Futteraufnahme natürlicherweise zurück. Eine unzureichende Versorgung in diesem Zeitraum kann deshalb bereits eine Ketose bei Kühen anbahnen.

Checkliste Close-up-Phase

  • Nicht weniger als 14 Tage
  • Anpassung der Ration
  • 24-Stunden Zugang zu TMR
  • Einmal wöchentlich TM-Aufnahme pro Gruppe bestimmen

Grundsätzlich ermöglicht ein optimales Trockenstehermanagement der Kuh genug Trockenmasse nach der Kalbung aufzunehmen. Hierdurch verringert sich die negative Energiebilanz und das Risiko für eine Ketose bei Kühen wird gesenkt.

Zur Behandlung von Ketose bei Kühen zählen die Glukose-Infusion oder Verabreichung glukoplastischer Substanzen. Letztere sind Substanzen, welche für die Glukoneogenese verstoffwechselt werden. Hierzu zählen bestimmte Aminosäuren und Propionate. Darüber hinaus gibt es Substanzen, welche die Glukoneogenese stimulieren können (Nikotinsäure/Niazin, Pantothensäure und Betain). Solche Glukoplastika können die kurzfristiger-wirksamen Veterinärinterventionen sinnvoll ergänzen:

„Nur durch den gleichzeitigen, 2 x täglichen Einsatz von Glukoplastika kann jedoch die Energiebilanz über einen längeren Zeitraum hindurch angehoben werden. Aus diesem Grund sind Glukoplastika bis zur vollständigen Genesung des Tieres (guter Appetit mit entsprechend hoher Futteraufnahme, Ketonkörpernachweis aus Milch/Harn negativ) zu verabreichen. (Gasteiner, 30. Viehwirtschaftliche Fachtagung, BAL Gumpenstein 2003)

Häufige Fragen

1. Ab wann wird die negative Energiebilanz zum Problem?

Zum Problem wird diese erst, wenn es zu einer Störung in der Energiegewinnung kommt. Folgende Parameter können die Einschätzung unterstützen:

  • Fett-Eiweiß-Quotient (FEQ) >1,4 erhöhtes Risiko, wenn Eiweiß <3,2%
  • Azeton in der Milch: >0,25 mmol/kg = subklinische Ketose
  • BHB-Grenzwert im Blut nach Abkalbung: 1,4 mmol/l

Zur Feststellung gibt es Schnelltests, die z.B. den BHB-Gehalt im Blut messen können.

2. Wie viel Körperfett kann die Kuh am Tag zur Energiegewinnung verarbeiten?

Eine gesunde und stabile Kuh ist in der Lage 20 bis 25 Prozent ihrer Milchleistung in den ersten 100 Laktationstagen aus den Körperreserven zu bilden. Sehr leistungsfähige Kühe schaffen es bis zu zwei kg Körperfett am Tag zu Energie zu verarbeiten. Auf das erste Laktationsdrittel gerechnet sind das insgesamt rund 150 kg Gesamtfett. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Menge allein, sondern der Zeitraum, in dem der Abbau vonstattengeht.

3. Wann sollte die Energiebilanz wieder positiv sein?

Zwischen dem 50. und 60 Laktationstag sollte die Energieaufnahme den Bedarf wieder vollständig decken. Der Body Condition Score sollte maximal um einen Punkt sinken bzw. die Rückenfettdicke maximal um 10 mm abnehmen.

4. Neigen nur überkonditionierte Kühe zu Ketose?

Nein. Auch wenn die Überkonditionierung ein sehr bedeutender Risikofaktor ist, gibt es noch weitere Punkte, auf die Sie achten können. Hierzu zählen:

  • Alleiniger Fokus auf Close-Up Fütterung: Vorbeugung beginnt beim Trockenstellen
    • Futteraufnahme: 1,5 bis 1,8 kg Trockensubstanz (TS) je 100 kg
    • BCS bei Beginn der Close-Up Phase: 3-3,5
    • Für mehr Tipps, lesen Sie oben weiter.
  • Niedrige Futteraufnahme: zwischen 2,5 und 2,8 kg Trockenmasse pro 100 kg Körpergewicht in den ersten 60 Tagen der Laktation; sprich ca. 19-21 kg bei 750 kg KG
  • Unzureichende Glukoseversorgung:
    • Bedarf ca. 4,0 – 4,5 kg Glukose je Tier und Tag
    • 2/3 aus Glukoneogenese -> Propionsäure ist entscheidend
  • Zu hoher Rohfettgehalt: nicht über 4% der Ration während des Trockenstellens und in der Laktation, bzw. 125 g Rohfett / 100 kg Körpergewicht
    • Erste 6 Wochen: max. 200 g pro Kuh und Tag
    • Danach bis zu 1000 g zzgl. pansengeschützes Fett

5. Wie kann ich eine Kuh in meiner Herde bei einer Ketose schnell unterstützen?

Es kommt sehr darauf an, in welchem Zustand sich Ihre Kuh befindet bzw. zu welchem Zeitpunkt Sie reagieren. Grundsätzlich lässt sich durch die Verabreichung bestimmter glukoplastischer Substanzen wie Propylenglykol oder Propionat das Risiko für eine Ketose reduzieren. Für die Einzeltierbehandlung bieten sich Boli, das Drenchen, Vitlaitätstränken oder flüssige Ergänzer über den Kraftfutterautomat an.

Unsere Konzepte hierfür im Überblick:

  • Zur Entlastung der Leber- und Pansenfunktion bereits vor der Kalbung: Topro KetoDuo Bolus
  • Vitalitätsschub unmittelbar nach der Kalbung zur Anregung der Futteraufnahme: Topro Recover
  • Zur zügigen Energiebereitstellung bei Bedarf: Topro Energy Bolus liefert Propionat
  • Für die systemische Zufütterung über TMR oder Zudosierung am Kraftfutterautomaten: KetoCare oder GlyCare

Bei akuten Fällen kontaktieren Sie bitte Ihren Tierarzt. Eine zügige Versorgung mit schnell verfügbarerer Energie (z.B. durch Glukose-Infusion) ist dann entscheidend.

 

Ketose bei Kühen verstehen und vorbeugen