Gesunde Kühe stehen nach 50 bis 100 Minuten Liegezeit von selbst wieder auf.
Wirkt Calcium beim Festliegen kaum, zeigt das Blut oft zusätzlich Phosphormangel.
Wenden Sie festliegende Kühe alle 3 Stunden und heben Sie sie mind. 4 Mal täglich an.
Festliegen liegt nicht immer am Calcium
Normalerweise stehen Kühe nach einer Liegezeit zwischen 50 und 100 Minuten von alleine auf, strecken sich und nehmen danach ggf. eine neue Liegeposition ein. Ist dies nicht der Fall, sollte man wachsam sein, um bei pathologischen Ursachen rechtzeitig reagieren zu können.
Bei festliegenden Kühen nach der Kalbung ist ein Calciummangel erstmal die naheliegendste Ursache. Wenn das Tier trotz entsprechender Behandlung nicht wieder aufsteht, kommt es auf eine gute Differentialdiagnostik an. Neben anderen metabolischen Ursachen, können auch Entzündungen, neurologische Probleme und/oder muskuläre Traumata das Festliegen auslösen1. Üblicherweise spricht man nach 24 Stunden vom sekundären Festliegen bzw. den Downer-Kühen (Downer-Cow-Syndrom). Eine sorgfältige Untersuchung durch den Tierarzt ist spätestens jetzt entscheidend, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Ein Abfall des Phosphorgehaltes nach der Kalbung ist zunächst einmal völlig normal. Die negative Phosphorbilanz bahnt sich bereits in der Trächtigkeit an und spitzt sich zu Beginn der Laktation zu2,3. Laut dieser Studien liegen die Phosphor-Verluste zwischen-4 und -14 g pro Tag. Dies kann vor allem auf die folgenden Faktoren zurückgeführt werden:
Bedarf des wachsenden Kalbes
Rückgang der Futteraufnahme
Verlust über Milchproduktion (bis zu 1 g P pro Liter Milch)
Verstärkung bei metabolischer Azidose
Mildere Formen des Phosphormangels zeigen sich eher unspezifisch. Das konsistenteste Symptom ist wohl die Appetitlosigkeit bzw. verringerte Futteraufnahme4. Der ursächliche Zusammenhang hierfür ist noch nicht abschließend geklärt. Bei Wiederkäuern wird vermutet, dass es mit der eingeschränkten Pansenfermentation zusammenhängt4.
Dass solche milderen Formen üblich sind, konnte auch eine Studie mit 7000 Milchkühen zeigen. Bei 71%, 21% und 10% der gesunden frischgekalbten Kühe der ersten, dritten und fünften Laktation konnte ein Phosphormangel (Hypophosphatämie, [Pi] < 3.9 mg/ dL) festgestellt werden4. Auch wenn diese Tiere keine Krankheitssymptome zeigten, verdeutlichen die Ergebnisse ein schlummerndes Risiko.
In Fällen, wo die Calciumbehandlung beim Festliegen mehrfach nicht oder nur kaum anschlägt, wird deshalb häufig noch ein begleitender Phosphormangel bei der Blutuntersuchung festgestellt. Beim atypischen Festliegen kommt diese parallele Mangellage deutlich häufiger vor als ein reiner Phosphormangel. Dieser verstärkende Effekt des Phosphormangels auf das Festliegen erklärt sich auch durch seine Funktion als Energielieferant bei der Muskelkontraktion. Um das Risiko einer ausgeprägten Mangellage zu verringern, kann über die Gabe eines Phosphorbolus nachgedacht werden. Dieser ermöglicht eine gezielte Einzeltierversorgung bei gesicherter Aufnahme.
Festliegen wegen Magnesium: Ein Notfall
Auch ein akuter Magnesiummangel kann zu plötzlichem Festliegen führen, allerdings muss hier sehr schnell mit einer Infusion reagiert werden. Tatsächlich kommt dieser Fall vor allem bei Weidehaltung im Frühjahr vor, die sogenannte Weidetetanie. Durch das schnelle Wachstum und häufig auch begünstigt durch Kaliumdüngung ist der Magnesiumgehalt im Gras sehr gering. Hinzu kommt, dass der hohe Eiweißgehalt im jungen Gras das Risiko für Durchfall erhöht, wodurch noch mehr Magnesium verloren geht. Deswegen treten die meisten Fälle von Magnesiummangel bei der Kuh auch innerhalb der ersten zwei Monate nach Weidegang auf. In vielen Fällen verläuft ein Magnesiummangel aber subakut. Um mehr zu erfahren, lesen Sie gerne hier weiter.
Risiko: Fettlebersyndrom
Das Festliegen kann außerdem das Symptom einer fortgeschrittenen Störung des Energiestoffwechsels sein. Dieses tritt allerdings nicht unmittelbar nach der Kalbung ein, sondern kündigt sich u.a. durch Fressverweigerung, einen raschen Verlust an Körpersubstanz und zunehmende Teilnahmslosigkeit („Leberkoma“) an. Die Therapiemöglichkeiten (Glukose-Dauertropf mit Insulin) sind hier begrenzt bzw. häufig nicht mehr erfolgreich.5 Vielmehr sollte auf Prävention im Trockenstehermanagement geachtet werden.
Neurologische Ursachen
Auch Nervenlähmungen in den Gliedmaßen (z.B. Tibialislähmung) führen immer wieder zum sekundären Festliegen. Diese können aufgrund der längeren Druckausübung auf die Muskulatur während des primären Festliegens nach der Kalbung entstehen.6 Solche Lähmungen (Neuropathien) werden auch durch suboptimale Untergründe begünstigt (Kurzstände mit Gitterrosten, Höhenunterschiede).7 Hinzu kommt, dass der Umtrieb der Kühe im Abkalbezeitraum durch die gelockerten Bänder im Beckenbereich Risiken für die Trittsicherheit birgt. So ist ein Ausrutschen/-grätschen und somit eine Überdehnung wahrscheinlicher.7
Downer Kühe unterstützen
Ob es mit der Genesung klappt, hängt maßgeblich von der Lagerung und Pflege ab. Ist die Versorgung optimal, können Heilungsraten von 43 % erreicht werden.9 Eine seitliche Liegeposition muss sofort korrigiert werden, um Erbrechen und Einatmen von Mageninhalt zu vermeiden. Die Kuh sollte in eine Bauchlage gedreht werden, wobei die Gliedmaßen, auf denen das Tier zuvor gelegen hat, nun frei sein sollten. Mit anderen Worten: Wenn das Tier in seitlicher Rückenlage auf der linken Seite lag, sollte es in die Bauchlage auf der rechten Seite gedreht werden. Einige Kühe müssen für die Bauchlage gestützt werden (z.B. durch Strohballen).8
Grundsätzlich sollte während des Festliegens auf die folgenden Punkte geachtet werden8:
Jederzeit sauberes Wasser – Ggf. drenchen oder parenterale Versorgung mit Flüssigkeit
Flache Futterschale aus Gummi
Alle 3 Stunden Kuh wenden, um Durchblutung sicherzustellen
– Gefahr von neuromuskulärem Kompartmentsyndrom durch Druck auf Hintergliedmaßen
Körpertemperatur stabilisieren: – Schutz vor Regen und Wind – Stroheinstreu
Zum Fressen animieren – Heu, schmackhafte Ergänzer – Alle 30 Minuten entfernen
– Kontakt zu bitterem Efeu oder Löwenzahn regt Speichelfluss und idealerweise auch Futteraufnahme an
Fußfesseln erleichtern das sichere Aufstehen – Auch nach Genesung für 24-48 h
Anheben: Worauf Sie achten sollten
Idealerweise sollten festliegende Kühe mindestens vier Mal am Tag für jeweils max. 30 Minuten angehoben werden. Dies sollte spätestens nach 24 Stunden das erste Mal erfolgt sein, weil ansonsten das Risiko für druckbedingte Folgeverletzungen steigt.9 Beim Anheben sollte die Höhe so gewählt werden, dass die Tiere ihr Gewicht selbst tragen können. Sie sollten nicht hängen gelassen werden.
Im Folgenden finden Sie eine Übersicht zu verschiedenen Systemen bzw. Hilfsmitteln, die beim Aufrichten der Kuh eingesetzt werden können. Es kann durchaus sein, dass Ihre Tierarztpraxis bestimmte Vorrichtungen zum Ausleihen zur Verfügung stellt.
Systeme/Hilfsmittel
Pro
Contra
Beckenklammern, Hüftklammern
einfache Anwendung
kostengünstig
zusätzliche Verletzungen/Druckläsionen
ungleichmäßiges Anheben
müssen abmontiert werden
Spanngurte und Eigenkonstruktionen, Gurtbänder
kostengünstig
ungleichmäßige Gewichtsverteilung, meist komplizierte Anwendung
Hebegeschirre, Matten
kostengünstig
kann am Tier verbleiben, dann einfache Anwendung
meist gleichmäßige Anhebung
Erstanwendung etwas komplizierter
Hebestand
keine
teuer, auch ohne Maschinen möglich
Wasserbad
ideal, weil sehr schonend
Anhebung durch Auftriebskraft, dadurch wenige sekundäre, neuromuskuläre Läsionen
teuer
meist nicht umsetzbar
Tabelle 1: Folgende Systeme zum Aufrichten festliegender Kühe9
Erfolgsaussichten
Wenn die Ursache behebbar ist, stehen die Kühe in der Regel innerhalb von 7 Tagen wieder von selbst auf. In Ausnahmefällen kann es sogar nach 3 Wochen noch zu einer Genesung kommen, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit hierfür von Tag zu Tag.9 Um das Wohlbefinden der Kuh und den allgemeinen Genesungsprozess zu verbessern, können natürliche und immunstimulierende Inhaltsstoffe wie im Topro Pain Care Bolus helfen.
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Häufige Fragen
Wie steht eine Kuh normalerweise auf?
Eine Kuh steht zuerst hinten auf. Sie kniet vorne, schiebt sich mit einem Schwung nach vorn und stellt dann die Vorderbeine auf. Nach einer Liegezeit von 50 bis 100 Minuten steht sie von allein auf und streckt sich.
Was ist eine Downer-Kuh?
So nennt man eine Kuh, die länger als 24 Stunden festliegt, obwohl die erste Ursache, oft ein Calciummangel, behandelt wurde. Durch das lange Liegen entstehen Druckschäden an Muskeln und Nerven, die das Aufstehen zusätzlich erschweren. Ziehen Sie spätestens dann den Tierarzt hinzu.
Wie oft sollte man eine festliegende Kuh umlagern?
Etwa alle 3 Stunden, damit die Durchblutung der Hinterbeine erhalten bleibt. Die Kuh gehört in Brustlage, nie auf die Seite, weil sie sonst Mageninhalt einatmen kann. Sauberes Wasser, Futter und eine weiche, trockene Unterlage gehören immer dazu.
Warum steht eine Kuh trotz Calciumgabe nicht auf?
Dann steckt oft eine zweite Ursache dahinter, etwa ein begleitender Phosphormangel, ein Magnesiummangel, eine Fettleber oder eine Nervenlähmung nach der Geburt. Eine Blutuntersuchung durch den Tierarzt klärt, was fehlt. Mehr dazu im Glossar unter Festliegen.
2Elizondo Salazar, J.A., J.D. Ferguson, D.B. Beegle, D.W. Remsburg and Z. Wu. 2013. “Body phosphorus mobilization and deposition during lactation in dairy cows”. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition 97:502-514.
3Knowlton, K.F. and J.H. Herbein 2002. “Phosphorus partitioning during early lactation in dairy cows fed diets varying in phosphorus content”. Journal of Dairy Science 85: 1227-1236.
6Wagner, A. „Nervenlähmungen beim Rind – was tun?“ bpt congress München. Web 21.10.2015.
7 Kaiser, A., Kaiser, M., Brehm, W., Spilke, J., Dettmann, S., und Starke, A. „Vorkommen, Vorbericht und klinisches Bild der Neuropathie des Nervus tibialis bei Deutsch-Holstein-Kühen. Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2021; 49: 79–90.
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5 Min. · 9. Sep. 2025
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