Knoblauchbolus selber machen oder fertig kaufen? Die Unterschiede im Überblick

Fast jeden Monat suchen einige hundert Milchviehhalter in Deutschland nach „Knoblauchbolus selber machen“. Die Frage ist naheliegend. Knoblauch ist billig, jeder kennt seine Wirkung aus der Küche, und ein Bolus für 20 Euro wirkt teuer für etwas, das man auch selbst pressen könnte. In diesem Artikel rechnen wir ehrlich durch, was ein selbst gemachter Knoblauchbolus verlangt, wo es schiefgeht und was ein fertiger Bolus anders macht.

Warum Knoblauch überhaupt wirkt

Allicin ist eine natürliche Schwefelverbindung aus Knoblauch, die für ihre starke antimikrobielle Wirkung bekannt ist. Der Stoff entsteht, wenn eine Knoblauchzehe gequetscht, geschnitten oder gepresst wird. Dabei kommen Alliin und das Enzym Alliinase miteinander in Kontakt und es bildet sich Allicin. Allicin kann in Bakterien eindringen und wichtige Enzymprozesse stören. So wird ihre Aktivität gehemmt und das Wachstum schädlicher Bakterien gebremst. Ausführlich erklärt das unser Artikel Wie wirkt der Knoblauch-Bolus?

Problem 1: Allicin ist nach wenigen Stunden weg

Man unterscheidet zwei Formen: unverarbeitetes Allicin und stabilisierte Knoblauchwirkstoffe. Der wichtigste Unterschied liegt in der Stabilität und der Wirkdauer.

Unverarbeitetes Allicin ist chemisch sehr reaktiv. Nach seiner Entstehung zerfällt es schnell in verschiedene Schwefelverbindungen. Ein Teil davon bleibt aktiv, andere Stoffe sind weniger aktiv. Deshalb kann die Menge an Allicin in Knoblauchpräparaten (flüssig, als Pulver oder als Tablette) mit der Zeit stark abnehmen.

Stabilisierte Knoblauchwirkstoffe wie PTS und PTSO sind Abkömmlinge der Schwefelverbindungen aus Knoblauch. Sie sind stabiler und eignen sich deshalb besser für die Verarbeitung in einem Bolus mit langsamer Freisetzung.

Für einen selbst gemachten Bolus heißt das: Was Sie heute pressen, enthält morgen womöglich schon viel weniger Allicin. Ein fertiger Bolus mit stabilisierten Knoblauchwirkstoffen gibt Ihnen mehr Kontrolle über Zusammensetzung und Freisetzung.

Problem 2: die Menge

Ein Rechenbeispiel. Eine Knoblauchzehe von 4 Gramm enthält etwa 10 mg Alliin. Daraus werden beim Pressen rund 4 mg Allicin (Umwandlungsrate 0,45). Wenn ein Bolus 150 mg Allicin enthalten soll, also ungefähr die Wirkstoffmenge eines handelsüblichen Bolus, brauchen Sie:

  • 375 mg Alliin
  • etwa 150 Gramm gepresste Zehen
  • das sind 37 Zehen oder 3 ganze Knollen pro Bolus

Für eine Kuh, die 21 Tage Unterstützung braucht, oder für fünf Kühe gleichzeitig kommen so Kilos an Knoblauch pro Woche zusammen. Schälen, pressen, mischen und eingeben. Jeden Tag aufs Neue, siehe Problem 1.

Problem 3: Ein Bolus ist mehr als ein Klumpen Knoblauch

Ein Bolus wirkt, weil er im Pansen liegen bleibt und seinen Inhalt langsam abgibt. Dafür braucht es einen Träger, der schwer genug ist, um nicht ausgespuckt zu werden oder weiterzuwandern, und der sich in einem kontrollierten Tempo auflöst. Eine selbst gemachte Masse aus Knoblauch und einem Bindemittel zerfällt im Pansen innerhalb von Stunden. Der Wirkstoff wird auf einmal frei, oder gar nicht, und ist am nächsten Tag verschwunden. Wie die Eingabe eines fertigen Bolus abläuft, steht in unseren häufigen Fragen zu Boli.

Problem 4: Geruch in der Milch

Frischer Knoblauch in großen Mengen kann über das Blut zu Geschmacksabweichungen in der Milch führen. Molkereien kontrollieren das und können Milch mit abweichendem Geschmack zurückweisen. Bei stabilisierten Knoblauchboli sieht das anders aus. Die stabilisierten Schwefelverbindungen sind weniger reaktiv, dadurch ist das Risiko von Geschmacksabweichungen in der Milch begrenzt.

Was ein fertiger Bolus anders macht

Stabilisierte Knoblauchboli enthalten zwei Abkömmlinge von Allicin: PTS (Dipropylthiosulfinat) und PTSO (Dipropylthiosulfonat). Diese Stoffe werden über ein wässriges Extraktionsverfahren aus Knoblauch gewonnen. Laboruntersuchungen zeigen, dass PTS und PTSO das Wachstum bestimmter Bakterien, darunter S. aureus und E. coli, begrenzen können.

Was das in der Praxis bringt:

  • Lange Freisetzung. Die Wirkstoffe werden gleichmäßig über 3 oder 21 Tage frei, statt in einer kurzen Spitze von wenigen Stunden.
  • Feste Dosierung. Eine bekannte Dosis pro Kuh, jedes Mal gleich.
  • Kein Knoblauchgeruch. Kein Knoblauchgeruch in Stall oder Milch, also keine Begrenzung bei der Zahl der Kühe.
  • Einfache Eingabe. Ein Handgriff pro Kuh mit dem Boluseingeber.
  • Weitere Kräuter. Zum Beispiel Eugenol, zur Unterstützung der entzündungshemmenden Wirkung.

In einem Feldversuch mit der Hochschule Van Hall Larenstein (2021, 12 Kühe) sank die Leitfähigkeit nach einem stabilisierten Knoblauchbolus im Mittel um 17 Prozent und die Milchleistung stieg um 12 Prozent. Wie der Versuch aufgebaut war, lesen Sie hier: Leitfähigkeit mit Knoblauchbolus reduzieren. Auch eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2023 zeigte mit einem Knoblauchbolus und einem Entzündungshemmer positive Ergebnisse: eine niedrigere Zellzahl und eine niedrigere Leitfähigkeit.

Eine Übersicht über stabilisierte Knoblauchboli finden Sie in unserer Kategorie Eutergesundheit.

Häufige Fragen

Kann ich Knoblauchpulver unter das Futter mischen?

Knoblauchpulver enthält praktisch kein Allicin mehr. Es bringt Geruch und Geschmack, aber nicht die Wirkung, für die Sie es einsetzen.

Wie viele Knoblauchboli darf eine Kuh bekommen?

Einen Bolus pro Kuh. Bei einer stark steigenden Zellzahl wird oft zuerst ein Knoblauchbolus mit 3 Tagen Freisetzung gegeben und nach drei Tagen einer mit 3 Wochen Freisetzung für die längere Unterstützung. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Tierarzt oder mit uns. Wie Sie bei steigender Zellzahl Schritt für Schritt vorgehen, lesen Sie in Hohe Zellzahl senken ohne Antibiotika.

Gibt es eine Wartezeit für Milch oder Fleisch?

Nein. Der Bolus ist ein Ergänzungsfuttermittel, kein Arzneimittel.

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