Eine Tankmilchzellzahl, die von 150.000 auf 280.000 klettert. Ein MLP-Bericht mit acht Kühen über 250.000. Oder eine alte Kuh, die jeden Monat bei 900.000 steht und den Rest mitzieht. Jeder Milchviehhalter kennt das, und der erste Reflex ist oft: mit Antibiotika trockenstellen oder einen Injektor ins Viertel. Das ist nicht immer nötig und nicht immer erlaubt. Dieser Stufenplan zeigt, wie Sie die Zellzahl mit Management dauerhaft senken und wo ein Knoblauchbolus in diesen Plan passt.
Was Ihnen die Zellzahl sagt
Die Zellzahl umfasst abgestorbene Epithelzellen des Euters und die weißen Blutkörperchen pro Milliliter Milch. Sie ist die Abwehrreaktion des Euters auf eine Infektion.
- Unter 100.000: gesundes Viertel.
- Über 250.000 bei älteren Kühen und 150.000 bei Färsen: subklinische Mastitis.
- Über 400.000: klinische Mastitis, sofern Milch und Euter zugleich sichtbar verändert sind.
Eine Kuh mit 300.000 Zellen gibt etwa 5 Prozent weniger Milch als eine gesunde Kuh. Bei einer Zellzahl von 1.000.000 sind es 15 bis 20 Prozent. Die Zellzahl kostet also jeden Tag Geld, auch wenn Sie nichts davon sehen.
Schritt 1: Finden Sie die Kühe
Eine Tankmilchzellzahl ist ein Durchschnitt. Wenige Kühe mit sehr hoher Zellzahl bestimmen oft das ganze Bild. Nehmen Sie den MLP-Bericht und sortieren Sie nach Zellzahl. Berechnen Sie für jede Kuh ihren Anteil an der Tankmilchzellzahl: Kühe mit viel Milch und hoher Zellzahl wiegen am schwersten. Oft sind 5 bis 10 Prozent der Kühe für mehr als die Hälfte der Zellen im Tank verantwortlich.
Am Roboter: Nutzen Sie die Leitfähigkeitsmeldungen pro Viertel. Ein Anstieg um mehr als 30 Prozent gegenüber dem kuheigenen Durchschnitt ist ein neuer Fall.
Ohne MLP: Machen Sie bei allen Kühen in einer Melkzeit einen Schalmtest (CMT). Das kostet eine Stunde und eine Flasche Testflüssigkeit.
Schritt 2: Wissen, welcher Erreger es ist
Lassen Sie von den 5 bis 10 Kühen mit den höchsten Werten eine bakteriologische Untersuchung machen. Sterile Probe pro Viertel, ab ins Labor, Ergebnis nach wenigen Tagen. Die Antwort bestimmt das Vorgehen:
- Kuhassoziierte Erreger (Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae): verbreiten sich über das Melkzeug und die Hände. Vorgehen: Melkreihenfolge, Hygiene beim Melken, und bei S. aureus oft Abgang, weil dieser Erreger sich im Euter abkapselt und auf jede Behandlung schlecht anspricht.
- Umweltassoziierte Erreger (Streptococcus uberis, E. coli, Klebsiella): kommen aus Einstreu, Mist und Wasser. Vorgehen: Boxen, Einstreu, Lüftung, Trockenstehzeit.
Ohne dieses Ergebnis behandeln Sie blind. Mit diesem Ergebnis wissen Sie, wo das Leck ist. Mehr zu den Infektionswegen lesen Sie in Euterentzündung bei Kühen erkennen.
Schritt 3: An der Quelle ansetzen
Bei kuhassoziierten Erregern:
- Melken Sie Kühe mit hoher Zellzahl zuletzt oder mit einem eigenen Melkzeug.
- Tragen Sie beim Melken Handschuhe und reinigen Sie sie zwischen den Kühen.
- Wechseln Sie die Zitzengummis rechtzeitig (Gummi nach 2.500 Melkungen, Silikon nach 10.000).
- Dippen Sie direkt nach der Abnahme, jede Zitze, bei jedem Melken.
- Chronische Kühe (dreimal über 250.000 in aufeinanderfolgenden MLP-Prüfungen oder ein bestätigter S. aureus) merzen Sie aus. Sie heilen selten aus und stecken den Rest an.
Bei umweltassoziierten Erregern:
- Boxen zweimal täglich säubern, das hintere Drittel trocken halten.
- Einstreu: Kalk oder trockenes Sägemehl statt feuchtem Material. Sandboxen sind der Goldstandard.
- Lüftung prüfen und die Feuchte der Liegefläche messen. Eine Handvoll Einstreu, die beim Zusammendrücken Wasser abgibt, ist zu nass.
- Zitzenkuppen kontrollieren: Verhornte, raue Zitzenkuppen schließen nicht. Vakuum und Pulsation prüfen lassen.
- Auf ein sauberes Tuch vormelken, Euter beim Ansetzen trocken.
Schritt 4: Die Trockenstehzeit als Neustart
Die Trockenstehzeit ist der einzige Zeitpunkt, an dem ein infiziertes Viertel ohne Milchverlust ausheilen kann. In den Niederlanden ist das vorbeugende Trockenstellen mit Antibiotika seit 2014 verboten, in Deutschland ist es seit der TÄHAV von 2018 an strenge Bedingungen geknüpft. Selektives Trockenstellen funktioniert so:
- Kühe mit einer Zellzahl unter 150.000 (Färsen unter 100.000) in der letzten MLP: nur ein interner Zitzenversiegler.
- Kühe darüber oder mit einem klinischen Fall in der Laktation: in Absprache mit dem Tierarzt Trockensteller plus Zitzenversiegler.
- Alle Kühe: sauber trockenstellen, trockene Abkalbebox, Euter in der ersten Woche nach dem Trockenstellen kontrollieren.
- Milchleistung. Achten Sie darauf, dass die Kuh beim Trockenstellen nicht zu viel Milch gibt, damit das Euter gut abtrocknen kann.
Schritt 5: Die Abwehr beim ersten Anstieg unterstützen
Bei einer Kuh mit steigender Zellzahl kann zusätzliche Unterstützung helfen. Sie ersetzt die Schritte oben nicht. Sie ergänzt sie, damit Sie rechtzeitig eingreifen.
Stabilisierte Knoblauchwirkstoffe wie PTS und PTSO wurden in Laboruntersuchungen auf ihre Wirkung gegen verschiedene Bakterien geprüft. Diese Stoffe können über einen Bolus nach und nach im Pansen freigesetzt werden, über 3 Tage für eine kurze Unterstützung oder über 21 Tage für eine längere Unterstützung. Warum stabilisierte Wirkstoffe dabei wichtig sind, erklärt Wie wirkt der Knoblauch-Bolus?
In einem Feldversuch mit der Hochschule Van Hall Larenstein (2021) bekamen 12 Kühe auf 5 Roboterbetrieben einen stabilisierten Knoblauchbolus, sobald die Leitfähigkeit stieg. In den zwei Wochen danach sank die Leitfähigkeit im Mittel um 17 Prozent und die Milchleistung stieg um 12 Prozent. Drei Kühe brauchten dennoch Antibiotika. Die Zahl der Tiere war zu klein für statistische Signifikanz. Den vollständigen Aufbau und die Grafiken finden Sie im Bericht: Leitfähigkeit mit Knoblauchbolus reduzieren.
Ein praktischer Ablauf bei steigender Leitfähigkeit oder erhöhter Zellzahl:
- Signale erkennen. Der Melkroboter meldet einen Anstieg der Leitfähigkeit um mehr als 30 Prozent, oder die Zellzahl steigt von unter 100.000 auf über 200.000.
- Viertel kontrollieren. Spüren Sie mit einem Schalmtest das betroffene Viertel auf. Achten Sie beim Vormelken auf Flocken und prüfen Sie, ob die Kuh normal frisst und kein Fieber hat.
- Ergänzend unterstützen. Geben Sie einen Bolus mit stabilisierten Knoblauchwirkstoffen für 3 Tage Unterstützung. Hält der Anstieg länger an, kann ein Bolus mit einer Freisetzung über 21 Tage eingesetzt werden.
- Mehr Pflege. Melken Sie das betroffene Viertel häufiger aus und sorgen Sie für einen sauberen, trockenen Liegeplatz.
- Ergebnis prüfen. Kontrollieren Sie nach 14 Tagen erneut Leitfähigkeit und Zellzahl. Bleibt die Besserung aus? Lassen Sie eine bakteriologische Untersuchung machen und sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt.
Schritt 6: Fütterung und Abwehrkraft
Eine Kuh mit einem Mangel an Selen, Vitamin E, Zink oder Kupfer hat eine trägere Abwehr im Euter. Prüfen Sie die Mineralstoffversorgung, vor allem in der Trockenstehzeit und rund um die Abkalbung. Ein Mineralbolus speziell für die Trockenstehzeit ist ein gutes Mittel, um die Mineralstoffversorgung trockenstehender Kühe zu unterstützen. Hitzestress über 22 °C erhöht die Zellzahl messbar, Ventilatoren und Wasser am Futtertisch sind im Sommer kein Luxus (mehr dazu in Mit der Hitze steigen auch die Zellzahlen). Eine negative Energiebilanz nach der Abkalbung schwächt die Abwehr genau in der Phase, in der die meisten Neuinfektionen entstehen.
Häufige Fragen
Was ist das beste Hausmittel gegen eine hohe Zellzahl?
Es gibt kein Hausmittel, das eine bakterielle Infektion im Euter beseitigt. Was wirkt, ist die Kombination: häufiger ausmelken, saubere Boxen, dippen und die Abwehr unterstützen. Für einen Knoblauchbolus mit stabilisierten Wirkstoffen gibt es Messwerte aus dem Feldversuch oben. Warum ein selbst gemachter Bolus nicht dasselbe leistet, lesen Sie in Knoblauchbolus selber machen oder fertig kaufen?
Kann ich allen Kühen einen Knoblauchbolus geben, um die Tankmilchzellzahl zu senken?
Das geht, ist aber teuer und nicht gezielt. Geben Sie den Bolus den Kühen, deren Werte steigen, und gehen Sie beim Rest der Herde die Quelle an.
Wie schnell sehen Sie Ergebnisse bei einer hohen Tankmilchzellzahl?
Rechnen Sie in Monaten, nicht in Tagen. Wenn Sie chronische Kühe ausmerzen und die Melkhygiene verbessern, kann die Tankmilchzellzahl innerhalb von 4 bis 8 Wochen sinken. Neue Infektionen über bessere Boxenhygiene und ein gutes Trockenstehmanagement zu verhindern, dauert oft ein bis zwei Laktationen. Bei konsequentem Vorgehen kann die Tankmilchzellzahl auf Dauer stabil unter 150.000 liegen.
Wie lange darf ich warten, bevor ich den Tierarzt rufe?
Bei einem subklinischen Fall ohne Krankheitsanzeichen: zwei Wochen unterstützen und dann neu bewerten. Bei Flocken, Fieber oder einem harten, schmerzhaften Viertel: am selben Tag.