Glossar

Pansen

Kurz erklärt

Größter Vormagen des Rindes, in dem Mikroben Gras und Raufutter zu nutzbarer Energie vergären.

Was ist der Pansen?

Rinder haben einen Magen mit vier Abteilungen. Drei davon sind Vormägen: Pansen, Netzmagen und Blättermagen. Erst der vierte, der Labmagen, entspricht dem Magen des Menschen. Der Pansen ist mit Abstand der größte Teil. Bei einer ausgewachsenen Milchkuh fasst er 150 bis 200 Liter und füllt fast die ganze linke Bauchhälfte aus.

Im Pansen leben Milliarden von Bakterien, Pilzen und Einzellern. Sie vergären das Futter, vor allem Zellulose aus Gras, Silage und Stroh. Ohne diese Mikroben könnte die Kuh mit Raufutter wenig anfangen.

Wie funktioniert die Verdauung im Pansen?

Die Kuh frisst schnell und schluckt das Futter grob gekaut ab. Im Pansen wird es durchmischt, eingeweicht und später zum Wiederkauen wieder hochgewürgt. Beim Wiederkauen zerkleinert die Kuh die Fasern und bildet viel Speichel. Rund acht Stunden am Tag kaut eine gesunde Kuh wieder.

Die Mikroben bauen die Kohlenhydrate zu flüchtigen Fettsäuren ab:

  • Essigsäure entsteht vor allem aus Fasern und ist der Baustein für das Milchfett.
  • Propionsäure entsteht vor allem aus Stärke. Die Leber macht daraus Glukose für den Milchzucker.
  • Buttersäure dient der Pansenwand als Energiequelle und fördert deren Entwicklung beim Kalb.

Diese Fettsäuren gelangen über die Pansenzotten direkt ins Blut. Die Mikroben selbst wandern mit dem Futterbrei weiter und werden im Darm als hochwertiges Eiweiß verdaut. Die Kuh füttert also eigentlich ihre Pansenmikroben, und die Mikroben füttern die Kuh.

Der Pansen-pH-Wert

Bei der Vergärung entstehen Säuren. Der Speichel puffert sie mit Bikarbonat ab, eine Kuh bildet täglich weit über 100 Liter davon. Normal liegt der pH-Wert im Pansen zwischen etwa 6,0 und 6,8. Viel leicht verdauliche Stärke und wenig Struktur senken ihn. Fällt er über mehrere Stunden am Tag unter 5,8, spricht man von einer subakuten Pansenazidose. Dann leiden vor allem die faserverdauenden Bakterien, die Futterverwertung sinkt und der Milchfettgehalt fällt.

Die Pansenentwicklung beim Kalb

Ein neugeborenes Kalb ist funktionell ein Monogastrier. Die Milch läuft über die Schlundrinne am Pansen vorbei direkt in den Labmagen. Der Pansen ist klein und noch ohne nennenswerte Mikrobenflora. Er entwickelt sich erst, wenn das Kalb Kälberstarter, Heu und Wasser aufnimmt. Kraftfutter liefert die Buttersäure für das Wachstum der Pansenzotten, Raufutter trainiert die Muskulatur.

Früher wurde deshalb auf frühes Absetzen und viel Raufutter gesetzt. Heute ist klar, dass eine intensive Milchtränke in den ersten Wochen die spätere Milchleistung erhöht, ohne die Pansenentwicklung zu bremsen. Mehr dazu in Metabolische Programmierung für höhere Lebensleistung.

Typische Störungen

  • Pansenazidose: zu viel Stärke oder Zucker, zu wenig Struktur. Zeichen sind dünner Kot, schwankende Futteraufnahme und ein niedriger Fettgehalt in der Milch.
  • Pansenalkalose: zu viel Eiweiß oder Harnstoff bei wenig Energie, seltener als die Azidose.
  • Pansenatonie: Der Pansen bewegt sich kaum noch, etwa bei Milchfieber, weil Calcium für die Muskelarbeit fehlt.
  • Labmagenverlagerung: Ein schlecht gefüllter Pansen nach der Kalbung gibt dem Labmagen Raum, sich zu verschieben.

So halten Sie den Pansen stabil

Die Grundregeln sind einfach. Füttern Sie genug strukturwirksames Raufutter und mischen Sie die Ration so, dass die Kühe nicht selektieren. Steigern Sie das Kraftfutter nach der Kalbung langsam und verteilen Sie es auf mehrere kleine Portionen. Achten Sie auf freien Zugang zu sauberem Wasser.

Ein guter Blick auf die Herde sagt viel. Mindestens die Hälfte der liegenden Kühe sollte wiederkauen. Der Kot sollte breiig sein und kaum unverdaute Fasern enthalten. Eine gut gefüllte linke Hungergrube zeigt, dass die Kuh genug gefressen hat. Kühe mit Melkroboter oder Sensorhalsband liefern die Wiederkauzeit pro Tag direkt mit.

Rund um die Kalbung ist der Pansen besonders gefordert, weil die Ration wechselt und die Futteraufnahme niedrig ist. Eine gute Pansenfüllung in dieser Zeit beugt Stoffwechselproblemen vor. Wie das Drenchen dabei hilft, lesen Sie in Kühe drenchen: Warum, wann, wie viel und womit?

Häufige Fragen

Wie groß ist der Pansen einer Kuh?

Bei einer erwachsenen Milchkuh fasst der Pansen 150 bis 200 Liter. Er füllt fast die ganze linke Bauchhälfte aus.

Welcher pH-Wert ist im Pansen normal?

Normal sind etwa 6,0 bis 6,8. Liegt der Wert über mehrere Stunden am Tag unter 5,8, spricht man von einer subakuten Pansenazidose.

Ab wann arbeitet der Pansen beim Kalb?

Der Pansen entwickelt sich, sobald das Kalb Kälberstarter, Heu und Wasser aufnimmt. Bis zum Absetzen sollte er so weit sein, dass das Kalb von festem Futter leben kann.

Alle Begriffe im Glossar

Mehr dazu in der Wissensbank

Ratgeber · Abwehrkräfte

Metabolische Programmierung für höhere Lebensleistung

Das Wachstum in der Kälberaufzucht ist ausschlaggebend für die spätere Milchleistung der Kuh. Meistens wird dieses Phänomen als metabolische Programmierung bezeichnet, die…

4 Min. · 9. Okt. 2025

Ratgeber · Abwehrkräfte

Kühe drenchen: Warum, wann, wie viel und womit?

Durch das Drenchen wird Kühen in erster Linie Flüssigkeit zugeführt, um einer Austrocknung entgegenzuwirken. Dabei wird mithilfe eines Schlauchs und einer Schlundsonde…

5 Min. · 29. Okt. 2025

Unsere Broschüre

Entdecken Sie die Produkte von Farmula für die moderne Rinderhaltung. Unsere Broschüre bietet Ihnen einen kompakten Überblick über unsere Produkte, ihre Anwendungsgebiete und praktische Empfehlungen für eine optimale Tiergesundheit.

Alle Farmula-Produkte für Kälber und Kühe mit Anwendung und Empfehlungen, als PDF.

Broschüre herunterladen
Farmula Produktkatalog Kälber & Kühe