Glossar

Zitzenversiegler

Kurz erklärt

Paste, die beim Trockenstellen in die Zitze gegeben wird und den Strichkanal bis zur Kalbung verschließt.

Was ist ein Zitzenversiegler?

Ein Zitzenversiegler verschließt den Strichkanal der Zitze während der Trockenstehzeit. Man unterscheidet zwei Arten:

  • Interne Zitzenversiegler sind eine Paste, meist auf Basis von Wismutsubnitrat, die nach dem letzten Melken in den Strichkanal und die Zitzenzisterne gegeben wird. Sie bleibt bis zur Kalbung dort.
  • Externe Zitzenversiegler bilden einen Film auf der Zitzenspitze, ähnlich einem Dippmittel. Sie halten nur einige Tage.

Interne Zitzenversiegler sind in Deutschland Tierarzneimittel und werden über den Tierarzt bezogen. Sie enthalten keinen antibiotischen Wirkstoff, sondern wirken rein mechanisch.

Warum braucht die Zitze Schutz?

Nach dem Trockenstellen bildet sich im Strichkanal normalerweise ein natürlicher Keratinpfropf. Bei vielen Kühen schließt er sich aber spät oder gar nicht vollständig. In den ersten Wochen der Trockenstehzeit und kurz vor der Kalbung ist das Euter deshalb besonders anfällig für Neuinfektionen, vor allem mit umweltassoziierten Erregern wie E. coli und Streptococcus uberis. Infektionen aus dieser Zeit zeigen sich oft erst als Mastitis in der neuen Laktation.

Der interne Versiegler ersetzt diesen Pfropf. Er verhindert, dass Erreger über den Strichkanal eindringen.

Zitzenversiegler und selektives Trockenstellen

Früher wurden viele Kühe pauschal mit Antibiotika trockengestellt. Heute wird selektiv entschieden. In den Niederlanden ist das vorbeugende Trockenstellen mit Antibiotika seit 2014 verboten, in Deutschland verlangt die TÄHAV seit 2018 eine Begründung. Ein gängiges Vorgehen:

  • Kühe mit einer Zellzahl unter 150.000 in der letzten MLP, Färsen unter 100.000, ohne klinischen Fall in der Laktation: nur interner Zitzenversiegler.
  • Kühe darüber oder mit Mastitis in der Laktation: in Absprache mit dem Tierarzt Trockensteller plus Zitzenversiegler.

So bekommen nur infizierte Kühe ein Antibiotikum, und die gesunden sind trotzdem geschützt. Mehr zum Ablauf in Hohe Zellzahl senken ohne Antibiotika.

Hygiene beim Eingeben

Ein Versiegler schließt ein, was im Strichkanal ist. Wird er unsauber eingegeben, bringt er die Erreger selbst ins Euter. Deshalb zählt die Hygiene beim Trockenstellen mehr als bei jeder anderen Melkung:

  • Euter ausmelken und Zitzen gründlich reinigen.
  • Jede Zitzenspitze mit einem eigenen Alkoholtupfer desinfizieren, bis kein Schmutz mehr am Tupfer ist. Erst die weit entfernten Zitzen, dann die nahen.
  • Saubere Einmalhandschuhe tragen.
  • Die Spitze des Injektors nur kurz in den Strichkanal einführen.
  • Den Versiegler nicht in das Euter hochmassieren. Er soll in der Zitze bleiben. Mit Daumen und Zeigefinger lässt sich die Zitzenbasis dafür abdrücken.
  • Danach dippen.

Lassen Sie die Kühe nach dem Trockenstellen stehen und bringen Sie sie in eine saubere, trockene Umgebung.

Nach der Kalbung

Der Versiegler wird nicht vom Körper aufgenommen. Er wird beim Vormelken der ersten Melkungen nach der Kalbung herausgemolken. Reste können als graue Fäden in der Milch auftauchen. Melken Sie die Zitzen deshalb in den ersten Tagen gründlich vor. Im Melkroboter sollte die Separation dieser ersten Milch eingestellt sein.

Kontrolle in der Trockenstehzeit

Schauen Sie sich die Euter in der ersten Woche nach dem Trockenstellen täglich an. Ein heißes, hartes Viertel oder eine Kuh mit Fieber braucht den Tierarzt. Sorgen Sie für eine trockene, saubere Liegefläche auch in der Abkalbebox.

Häufige Fragen

Enthält ein Zitzenversiegler Antibiotika?

Nein. Ein interner Zitzenversiegler verschließt den Strichkanal mechanisch. Er ist in Deutschland trotzdem ein Tierarzneimittel und kommt vom Tierarzt.

Wann bekommt eine Kuh nur einen Zitzenversiegler?

Beim selektiven Trockenstellen, wenn die Zellzahl niedrig ist und es in der Laktation keinen klinischen Fall gab. Ein üblicher Grenzwert ist unter 150.000 Zellen, bei Färsen unter 100.000.

Wie kommt der Versiegler wieder heraus?

Er wird nach der Kalbung beim Vormelken herausgemolken. Reste können in den ersten Tagen als graue Fäden in der Milch auftauchen.

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