Glossar

Weidetetanie

Kurz erklärt

Akuter Magnesiummangel, meist beim Weideaustrieb im Frühjahr, mit Krämpfen bis zum Festliegen.

Was ist Weidetetanie?

Die Weidetetanie, auch Grastetanie genannt, ist ein akuter Mangel an Magnesium im Blut. Fachlich heißt sie Hypomagnesiämie. Magnesium wird für die Übertragung von Nervenreizen auf die Muskeln gebraucht. Fehlt es, werden Nerven und Muskeln übererregbar, es kommt zu Zittern und Krämpfen.

Rinder haben keinen nennenswerten Magnesiumspeicher, auf den sie schnell zurückgreifen können. Sie sind auf eine tägliche Aufnahme über das Futter angewiesen. Schon wenige Tage mit zu wenig Magnesium können reichen, damit der Blutspiegel fällt. Der Normalwert im Blut liegt bei etwa 0,8 bis 1,2 mmol je Liter.

Warum gerade auf der Weide?

Die meisten Fälle treten im Frühjahr in den ersten Wochen nach dem Weideaustrieb auf, seltener im Herbst. Junges, schnell wachsendes Gras hat mehrere Eigenschaften, die zusammenwirken:

  • wenig Magnesium und wenig Natrium
  • viel Kalium, besonders nach Gülle- oder Kaliumdüngung. Kalium hemmt die Magnesiumaufnahme über die Pansenwand.
  • viel leicht abbaubares Eiweiß, das im Pansen viel Ammoniak bildet und ebenfalls die Aufnahme bremst
  • wenig Struktur, das Futter passiert schnell und kann Durchfall auslösen, wodurch weiteres Magnesium verloren geht

Hinzu kommt Stress durch kaltes, nasses Wetter, Transport oder Brunst, weil die Kuh dann weniger frisst. Besonders gefährdet sind ältere, hochleistende Kühe in der Frühlaktation und Mutterkühe mit Kalb.

Anzeichen

Die Weidetetanie kann sehr schnell verlaufen. Typisch sind:

  • Unruhe, Schreckhaftigkeit und erhöhte Aufmerksamkeit
  • Muskelzittern, vor allem an Kopf und Schulter
  • steifer Gang und Taumeln
  • Krämpfe, Zähneknirschen, Speicheln
  • Festliegen in Seitenlage mit Ruderbewegungen der Beine

Manche Tiere werden tot auf der Weide gefunden, ohne dass vorher etwas aufgefallen ist. Neben der akuten Form gibt es einen subakuten, schleichenden Magnesiummangel mit weniger Futteraufnahme und Leistung.

Was tun im Notfall?

Die akute Weidetetanie ist ein Notfall. Rufen Sie sofort den Tierarzt, er gleicht den Mangel über eine Infusion aus. Treiben Sie das Tier nicht, Aufregung kann einen Krampfanfall auslösen. Nach einer überstandenen Tetanie braucht die Kuh in den folgenden Tagen eine sichere Magnesiumversorgung, sonst droht ein Rückfall. Wie Weidetetanie zu anderen Ursachen des Festliegens steht, lesen Sie in Warum steht meine Kuh nicht auf?

Vorbeugung

  • Übergang langsam gestalten: Weidezeit über ein bis zwei Wochen steigern und am Anfang Heu, Stroh oder Silage beifüttern.
  • Magnesium täglich ergänzen, schon zwei bis drei Wochen vor dem Austrieb, etwa über ein magnesiumreiches Mineralfutter. Leckschalen und Lecksteine werden von einzelnen Tieren sehr unterschiedlich angenommen.
  • Natrium bereitstellen, denn Natriummangel verstärkt die Kaliumwirkung.
  • Kaliumdüngung auf Weideflächen im Frühjahr zurückhaltend einsetzen.
  • Bei Kälte und Regen Unterstand und Raufutter anbieten.

Mehr zur Mineralstoffversorgung beim Weidegang lesen Sie in Weidegang: Mineralstoffe im Fokus.

Magnesium im Stall

Auch im Stall kann Magnesium knapp werden, etwa bei Rationen mit viel kaliumreicher Grassilage oder bei Trockenstehern. Rund um die Kalbung braucht die Kuh Magnesium für die Mobilisierung von Calcium. Ein Mangel kann deshalb auch Milchfieber begünstigen.

Häufige Fragen

Wann tritt Weidetetanie auf?

Vor allem im Frühjahr in den ersten zwei Monaten nach dem Weideaustrieb, seltener im Herbst auf schnell wachsendem Gras.

Warum fehlt Magnesium auf junger Weide?

Junges Gras enthält wenig Magnesium und viel Kalium. Kalium und viel Eiweiß hemmen die Aufnahme von Magnesium im Pansen.

Was tun bei Verdacht auf Weidetetanie?

Sofort den Tierarzt rufen und das Tier nicht treiben. Der akute Mangel wird über eine Infusion ausgeglichen.

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