Knoblauchbolus selber machen oder fertig kaufen? Die Unterschiede im Überblick
Fast jeden Monat suchen einige hundert Milchviehhalter in Deutschland nach "Knoblauchbolus selber machen". Die Frage ist naheliegend. Knoblauch ist billig, jeder kennt…
Kurz erklärt
Futtermittel, das die Ration ergänzt. Diät- und Mineralfuttermittel sind Untergruppen. Keine Arzneimittel, keine Wartezeit.
Im Stall werden viele Produkte eingesetzt, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen: Boli, Tränken, Pulver, Pasten. Rechtlich gehören sie aber zu zwei getrennten Welten. Tierarzneimittel sollen Krankheiten heilen, lindern oder verhüten. Sie brauchen eine Zulassung, viele sind verschreibungspflichtig, und nach der Anwendung gilt eine Wartezeit für Milch und Fleisch.
Futtermittel dienen der Ernährung. Sie dürfen nicht damit werben, eine Krankheit zu heilen oder zu verhüten. Dafür brauchen sie keine Zulassung wie ein Arzneimittel und haben keine Wartezeit. Die Regeln dafür stehen im EU-Futtermittelrecht, vor allem in der Verordnung (EG) Nr. 767/2009.
Viele Produkte im Milchviehstall sind Ergänzungsfuttermittel: Mineralfutter, Leckschalen, Energiedrenchs und die meisten Boli.
Diätfuttermittel, offiziell Futtermittel für besondere Ernährungszwecke, sind eine eigene Gruppe. Sie decken einen besonderen Ernährungsbedarf, den ein Tier in einer bestimmten Phase oder Situation hat. Welche Zwecke erlaubt sind, regelt eine EU-Liste, die Verordnung (EU) 2020/354. Für jeden Zweck sind dort festgelegt:
Beispiele für Rinder sind die Verringerung des Risikos von Milchfieber, die Verringerung des Ketoserisikos oder die Stabilisierung des Wasser- und Elektrolythaushalts bei Kälbern. Ein Diätfuttermittel darf diesen Zweck nennen, weil er in der Liste steht. Es bleibt trotzdem ein Futtermittel und behandelt keine Krankheit. Auf dem Etikett steht deshalb oft der Hinweis, vor der Verwendung oder Verlängerung den Rat eines Tierarztes einzuholen.
Ein Bolus ist eine Darreichungsform, keine rechtliche Kategorie. Es gibt Boli als Ergänzungsfuttermittel, als Diätfuttermittel und als Tierarzneimittel. Welche Art vorliegt, steht auf dem Etikett. Ein Knoblauchbolus als Ergänzungsfuttermittel hat zum Beispiel keine Wartezeit. Mehr dazu in Knoblauchbolus selber machen oder fertig kaufen?
Auf jedem Futtermittel steht die Art, zum Beispiel Ergänzungsfuttermittel für Milchkühe oder Diätfuttermittel zur Verringerung des Risikos von Milchfieber. Dazu kommen die analytischen Bestandteile wie Rohprotein, Rohasche oder Calcium sowie die Zusatzstoffe mit ihren Gehalten. Bei Tierarzneimitteln steht dagegen eine Zulassungsnummer und die Wartezeit auf der Packung.
Nein. Wartezeiten gelten nur für Tierarzneimittel. Nach einem Ergänzungs- oder Diätfuttermittel darf die Milch abgeliefert werden.
Ein Ergänzungsfuttermittel ergänzt die Ration. Ein Diätfuttermittel erfüllt zusätzlich einen besonderen Ernährungszweck aus der EU-Liste 2020/354, etwa die Verringerung des Milchfieberrisikos.
Ein Ergänzungsfuttermittel mit mindestens 40 Prozent Rohasche, das vor allem Mengen- und Spurenelemente liefert.
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