Ratgeber · Abwehrkräfte

Metabolische Programmierung für höhere Lebensleistung

Auf einen Blick

  • Jedes Gramm mehr Tageszunahme vor dem Absetzen bringt 4 Liter mehr Milch in Laktation 1.
  • Bei hoher Fütterungsintensität bildete sich nach 8 Wochen 40 % mehr Eutergewebe.
  • Mischen Sie Milchaustauscher mit 15 % TM, in den ersten 3 Wochen ad libitum (10 bis 14 l).

Das Wachstum in der Kälberaufzucht ist ausschlaggebend für die spätere Milchleistung der Kuh. Meistens wird dieses Phänomen als metabolische Programmierung bezeichnet, die auch in der Humanmedizin bekannt ist und bereits in der fetalen Phase beginnt.

In der Vergangenheit lag das Augenmerk bei der Kälberaufzucht allerdings hauptsächlich auf Mortalität, frühem Absetzen (vor der 8. Woche) und einer hohen Raufutteraufnahme. Eine frühzeitige und optimale Pansenentwicklung stand im Vordergrund und das genetische Potential wurde nicht vollständig ausgenutzt. Wie Versuche gezeigt haben, ist allerdings eine intensive Milchfütterung in den ersten 8–10 Wochen entscheidend für die spätere Milchleistungskapazität:

„Jedes Gramm zusätzliches Wachstum pro Tag vor dem Absetzen eines Kalbes resultiert in zusätzlichen 4 Litern Milch in der ersten Laktation!“

200 Gramm zusätzliches Wachstum pro Tag kann also bis zu 800 Liter Milch zusätzlich bedeuten. Überträgt man das auf den kompletten Viehbestand, können die jährlichen Einkünfte beträchtlich steigen. Dieser Effekt hängt unter anderem mit der verbesserten Qualität des Eutergewebes und der Ausschöpfung des genetischen Potentials zusammen.

Mehr milchproduzierendes Gewebe

Wie funktioniert das? Untersuchungen konnten nachweisen, dass sich ein intensiver Fütterungsplan positiv auf die Bildung des Eutergewebes, insbesondere des Euterparenchyms auswirkt (Tabelle 1). Letzteres ist für die Milchbildung entscheidend. Der Effekt ist in den ersten 8 Wochen nach der Geburt am stärksten. Allerdings setzt sich dieser auch noch deutlich in Woche 9–14 fort. Bei hoher Fütterungsintensität hat sich nach 8 Wochen 40 % mehr und nach weiteren 6 Wochen sogar 86 % mehr Eutergewebe gebildet. Dies erklärt die stabil höheren Erträge der späteren Milchkuh.

Tabelle 1: Eutergewebe und Euterparenchym nach Energieniveau
Energieniveau 2.–8. Lebenswoche Mittel* Hoch**
Eutergewebe 181 255
Euterparenchym 1,9 6,2
Energieniveau 9.–14. Lebenswoche Mittel Hoch Mittel Hoch
Eutergewebe 252 390 274 511
Euterparenchym 16 16 24 23
*1,2 % der Körpermasse als Milchaustauscher + Kälberstarterfutter (20,5 % RP)
**2,0 % der Körpermasse als Milchaustauscher + Kälberstarterfutter (20,5 % RP)

Intensiver Fütterungsplan

Die frühzeitige starke Betonung der Raufutteraufnahme in der Kälberaufzucht kann nicht die gleichen Ergebnisse erzielen. Dies liegt daran, dass der Pansen noch nicht vollständig entwickelt ist und die Rohfaser deshalb nicht optimal verwerten kann. Das Kalb hat zwar keinen Hunger, kann aber gleichzeitig sein Wachstumspotential nicht optimal ausnutzen. Dies kann sich auch auf die Ausbildung der inneren Organe auswirken, welche wir nicht von außen beurteilen können. Läuft diese suboptimal ab, zeigt sich das oft erst an einer gestörten Fruchtbarkeit, krankheitsanfälligen Kühen und/oder einer geringen Milchleistung. Viel zu oft endet das mit einem zu frühen Abgang der Kuh – der in vielen Fällen hätte verhindert werden können.

Um die Effekte dieser metabolischen Programmierung möglichst umfassend auszuschöpfen, ist deshalb ein intensiver Milchfütterungsplan notwendig (Abbildung 1). Milchaustauscher sollten mit einem Trockenmassegehalt von 15 % angemischt werden und in den ersten 3 Wochen ad libitum (10–14 Liter) verabreicht werden. Meistens beginnt bis zum Ende der 5. Lebenswoche die langsame Reduktion der Milchmenge und die tägliche Stroh-Konzentrat-Aufnahme wird bis zum Absetzen auf 2–2,5 kg erhöht.

Abbildung 1

Abbildung 1: Intensiver Fütterungsplan, Liter Milch pro Tag über 9 Wochen

Wichtig: Eine längere Fütterung mit hohen Mengen an Milchaustauschern wirkt sich nicht nachteilig auf die Stroh-Konzentrat-Aufnahme aus, wie man früher vermutet hat. Sie begünstigt diese sogar, wie u.a. Schwarzkopf et al. (2019) festgestellt haben.

Um die Zielgröße 850 g tägliche Zunahme zu erreichen, ist neben einem guten Kälberfutter auch eine optimale Darmfunktion und Immunität entscheidend. Hierfür können ergänzende Fütterungskonzepte in Frage kommen: Spurenelemente, Vitamine und/oder andere Futterzusätze können hier positiv wirken. Farmula bietet Ihnen verschiedene Produkte zur Stärkung der Kälber während der Aufzucht:

Vorteile der metabolischen Programmierung

  • Mehr Eutergewebe
  • Fördert Entwicklung anderer Organe
  • Verbesserte Fruchtbarkeit
  • Höhere Milchproduktion
  • Längere Nutzungsdauer

Jedes Kalb kann metabolisch programmiert werden, um später mehr Milch zu produzieren. Wir sind davon überzeugt, dass zwischen metabolischer Programmierung und Nutzungsdauer bei Tieren ein starker Zusammenhang besteht.

Häufige Fragen

Was bedeutet metabolische Programmierung beim Kalb?

Gemeint ist, dass die Fütterung in den ersten Lebenswochen die spätere Milchleistung prägt. Kälber, die vor dem Absetzen mehr zunehmen, bilden mehr Eutergewebe und geben als Kuh mehr Milch. Mehr dazu unter metabolische Programmierung.

Wie viel Milch sollte ein Kalb in den ersten Wochen bekommen?

In den ersten 3 Wochen kann ein Kalb nach Belieben trinken, das sind oft 10-14 Liter am Tag. Milchaustauscher wird dafür mit etwa 15 Prozent Trockenmasse angerührt. Ab der fünften Woche wird die Menge langsam verringert.

Frisst ein Kalb mit viel Milch zu wenig Kraftfutter?

Nein, das wurde früher angenommen. Kälber mit intensiver Milchtränke fressen bis zum Absetzen genauso viel oder mehr Starter und Heu. Für den Pansen braucht das Kalb von Anfang an Wasser, Starter und etwas Struktur.

Vorgeschlagene Produkte

Topro Colostrum Mix 2,5 kg

Kälber · Rinder

Topro Colostrum Mix 2,5 kg

Die Bedeutung einer guten Kolostrumversorgung der Kälber und Lämmer ist zwar bekannt, allerdings in der Praxis oft nur schwer umsetzbar. Dies kann an Managementproblemen oder einer mangelnden Kolostrumqualität liegen. Letztere…

256,69 €
Topro Milk Boost 3 kg

Kälber · Mineralien

Topro Milk Boost 3 kg

Eine intensive Milchfütterung in den ersten 8-10 Wochen ist entscheidend für die spätere Leistung der Milchkuh. 200 Gramm zusätzliches Wachstum pro Tag vor dem Absetzen kann bis zu 800 Liter…

28,36 €
Kälberbolus Opti Boost Calf 25 Stück

Boli für Kühe · Kälber

Kälberbolus Opti Boost Calf 25 Stück

Neugeborene Kälber leiden häufig unter einem Vitamin- und Mineralstoffmangel. Ein bekanntes Beispiel ist Eisen, aber auch andere Nährstoffe sind oft nur begrenzt verfügbar. Die Vitamin- und Mineralstoffmengen in der Kuhmilch…

45,10 €

Inhalt

  1. Mehr milchproduzierendes Gewebe
  2. Intensiver Fütterungsplan
  3. Vorteile der metabolischen Programmierung
  4. Häufige Fragen
  5. Vorgeschlagene Produkte

Weitere Artikel

Ratgeber · Abwehrkräfte

Kolostrum-Management für den richtigen Start

Ihre Kälber sind die Zukunft Ihres Betriebes. Der Grundstein für eine gute Kälberaufzucht wird bereits in den ersten Lebensstunden durch eine optimale…

5 Min. · 30. Okt. 2025

Ratgeber · Abwehrkräfte

Kühe drenchen: Warum, wann, wie viel und womit?

Durch das Drenchen wird Kühen in erster Linie Flüssigkeit zugeführt, um einer Austrocknung entgegenzuwirken. Dabei wird mithilfe eines Schlauchs und einer Schlundsonde…

5 Min. · 29. Okt. 2025

Unsere Broschüre

Entdecken Sie die Produkte von Farmula für die moderne Rinderhaltung. Unsere Broschüre bietet Ihnen einen kompakten Überblick über unsere Produkte, ihre Anwendungsgebiete und praktische Empfehlungen für eine optimale Tiergesundheit.

Alle Farmula-Produkte für Kälber und Kühe mit Anwendung und Empfehlungen, als PDF.

Broschüre herunterladen
Farmula Produktkatalog Kälber & Kühe