Was ist Raufutter?
Raufutter ist pflanzliches Futter mit viel Rohfaser und langer Struktur. Dazu gehören Heu, Stroh, Grassilage und, mit Einschränkungen, Maissilage. Die Fasern müssen von der Kuh gekaut und wiedergekaut werden. Genau das macht Raufutter für Wiederkäuer unverzichtbar: Es hält den Pansen in Bewegung und sorgt für viel Speichel, der die Säuren im Pansen abpuffert.
Raufutter, Grundfutter, Saftfutter
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet.
- Grundfutter ist alles Basisfutter, das auf dem Betrieb erzeugt und in großen Mengen gefüttert wird: Weidegras, Gras- und Maissilage, Heu, Stroh, Rüben.
- Raufutter ist der Teil des Grundfutters mit viel Rohfaser und Struktur, also Heu, Stroh und Silagen.
- Saftfutter ist wasserreiches Grundfutter mit wenig Struktur, etwa Rüben, Pressschnitzel oder frisches junges Gras.
- Kraftfutter ergänzt das Grundfutter mit konzentrierter Energie und Eiweiß.
Warum braucht die Kuh Struktur?
Die Pansenmikroben vergären Kohlenhydrate zu Säuren. Ohne genug Struktur kaut die Kuh weniger, bildet weniger Speichel und der pH-Wert im Pansen fällt. Die faserverdauenden Bakterien gehen zurück, das Milchfett sinkt und es droht eine Pansenazidose. Lange Fasern bilden im Pansen außerdem eine Fasermatte, die kleine Futterteile zurückhält und so die Verdauung verbessert.
Als Richtwert gelten mindestens 16 bis 18 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse der Gesamtration. Zahlen allein sagen aber nicht alles. Fein gehäckselte Silage hat zwar Rohfaser, aber wenig strukturwirksame Fasern. In der Praxis hilft der Blick auf die Kühe: Mindestens die Hälfte der liegenden Tiere sollte wiederkauen, eine Kuh kaut rund acht Stunden am Tag.
Stroh in der Ration
Stroh hat wenig Energie und viel Struktur. Es wird vor allem in Trockensteherrationen eingesetzt, damit die Kuh satt wird, ohne zu verfetten. Damit das funktioniert, darf das Stroh nicht zu lang sein. Bei 2 bis 4 cm Schnittlänge können die Kühe es kaum aussortieren. Geben Sie das Stroh vor der Silage in den Mischwagen und achten Sie auf gute Qualität ohne Schimmel. Mehr Tipps lesen Sie in Trockensteher richtig füttern.
Grundfutterqualität prüfen
Die Qualität des Grundfutters schwankt mit Schnittzeitpunkt, Wetter, Düngung und Silierung. Früh geschnittenes Gras hat mehr Energie und Eiweiß, aber weniger Struktur. Spät geschnittenes hat mehr Rohfaser und ist schlechter verdaulich. Lassen Sie Grassilage und Maissilage deshalb regelmäßig analysieren, mindestens bei jedem neuen Silo. Für Trockensteher lohnt sich zusätzlich eine Analyse auf Calcium, Phosphor, Kalium und DCAB, weil Grassilage oft viel Kalium enthält.
Je besser das Grundfutter, desto weniger Kraftfutter braucht die Kuh für dieselbe Leistung. Das senkt die Futterkosten und schont den Pansen.
Raufutter für Kälber
Kälber brauchen Heu oder Stroh ab der ersten Lebenswoche zur freien Aufnahme. Es trainiert die Pansenmuskulatur, während Kraftfutter die Pansenzotten wachsen lässt. Die Hauptenergie kommt in den ersten Wochen aber aus der Milch. Ein zu früher Schwerpunkt auf Raufutter bremst das Wachstum, weil der Pansen die Fasern noch nicht gut verwerten kann.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Raufutter und Grundfutter?
Grundfutter ist alles Basisfutter vom Betrieb. Raufutter ist der Teil davon mit viel Rohfaser und Struktur, also Heu, Stroh und Silagen.
Wie viel Rohfaser braucht eine Milchkuh?
Als Richtwert gelten mindestens 16 bis 18 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse der Gesamtration, mit ausreichend langer Struktur.
Wie lang sollte Stroh in der Ration sein?
Etwa 2 bis 4 cm. Längeres Stroh sortieren die Kühe aus, dann fehlt die Struktur in der aufgenommenen Ration.
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